Hörverlust im mittleren Alter ist der wichtigste Faktor, der Demenz begünstigt

18. Februar 2019 by Alexandra Kupferberg
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Demenzkrankheiten wie Alzheimer sind noch immer unheilbar. Die Forschung konzentriert sich deshalb auf vorbeugende Massnahmen – und hat neun verschiedene Risikofaktoren identifiziert.

Die Zahl der weltweiten Demenz-Fälle liesse sich erheblich reduzieren, wenn die Risikofaktoren konsequent und von Kindheit an bekämpft würden. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Experten in einem Artikel im Fachmagazin «The Lancet«. In der Jugend sei mangelnde Bildung einer der wesentlichen Risikofaktoren. Im mittleren und höheren Lebensalter wirkten sich Übergewicht, hoher Blutdruck, Hörverlust oder soziale Isolation nachteilig aus.

Der 100-seitige Bericht wurde von der Lancet Commission on Dementia Prevention entwickelt. Das Gremium aus mehr als 20 Ärzten und Forschern hat die verfügbaren Forschungsergebnisse überprüft und bewertet und evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention, Behandlung und Behandlung von Demenz gegeben.

Eine gute schulische Ausbildung sei demnach eine besonders wichtige vorbeugende Maßnahme. Sie erhöhe die kognitiven Fähigkeiten und die Belastbarkeit des Gehirns. Hätten alle Kinder auf der Welt schlagartig Zugang zu ausreichender Bildung, ließe sich beinahe jeder zehnte Fall (acht Prozent) von Demenz vermeiden, berechneten die Autoren. Nur der Verlust des Gehörs habe größere negative Auswirkungen als mangelnde Schulausbildung.

Den Wissenschaftlern zufolge könnten neun Faktoren das persönliche Erkrankungsrisiko beeinflussen. Zu diesen zählen

  • Hörverlust im mittleren Lebensalter
  • mangelnde Bildung in der Jugend
  • Rauchen
  • Depression
  • körperliche Inaktivität
  • Übergewicht
  • hoher Blutdruck
  • soziale Isolation
  • Typ 2-Diabetes

Würden alle diese Risikofaktoren vollständig beseitigt, könnte die Zahl der weltweiten Demenz-Fälle um etwa ein Drittel sinken, berechneten die Forscher. Allerdings schränken die Wissenschaftler ein: «Die Zahlen sollten mit Vorsicht interpretiert werden, weil es nicht möglich ist, alle Risikofaktoren vollständig auszuschalten». Zudem seien bei den Berechnungen manche potenziellen Risikofaktoren nicht berücksichtigt worden, etwa Alkoholkonsum oder Schlafmangel.

Die Zeitschrift wies darauf hin, dass Hörverlust nicht nur der höchste dieser neun Risikofaktoren ist, sondern auch ein wichtiger Faktor aufgrund seiner Prävalenz, die bei etwa 32% der Personen über 55 Jahren auftritt.  Hörverlust kann entweder die kognitive Belastung erhöhen oder zu sozialem Rückzug oder Depressionen führen, was alles zu einem beschleunigten kognitiven Rückgang beitragen könnte.

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Hörverlust weitaus größere Auswirkungen hat als eine Sinnesstörung. Neben einem erhöhten Risiko für Demenz berichten Erwachsene mit unbehandeltem Hörverlust über mehr Stress, zunehmende soziale Isolation und schlechtere Familienbeziehungen, einschließlich ehelicher Beziehungen. Die Identifizierung und Behandlung von Hörverlust sind wichtige Schritte, um die negativen Auswirkungen von unbehandeltem Hörverlust zu modifizieren.

„Die Autoren machen zu Recht auf die Bedeutung und das gewaltige Potenzial von Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und von Umweltfaktoren aufmerksam“, kommentiert Monique Breteler, Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Noch zu klären sei allerdings, welche der Faktoren tatsächlich kausale Auswirkungen auf die Krankheit haben.

 

Referenzen

Livingston G, Sommerlad A, Orgeta V, et al. Dementia prevention, intervention, and care. Lancet.2017;390(10113):2673-2734.

Quelle 1: https://www.blick.ch/life/gesundheit/medizin/so-beugen-sie-alzheimer-vor-diese-neun-risikofaktoren-beguenstigen-demenz-id7024450.html

Quelle 2: http://www.hearingreview.com/2018/07/nine-risk-factors-associated-dementia/