Auditorisches Training für besseres Sprachverstehen bei schwerhörigen und tauben Kindern

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31/Mai/2020

Ein Artikel von Dr. Alexandra Kupferberg.

Während die Schließung der Kindergärten und Schulen aufgrund der COVID-19-Pandemie das Leben von Schülern und Eltern auf der ganzen Welt auf den Kopf stellte, traf die extreme Isolation hörgeschädigte und taube Kinder besonders hart. Den meisten dieser Kinder fällt es schwer, sogar mit ihrer Familie zu kommunizieren, da viele Eltern die Gebärdensprache nie gelernt haben. Auch kann die monatelange Unterbrechung der Wissensvermittlung negative Auswirkung auf soziale Kompetenz und emotionale Verfassung einiger schwerhöriger und tauber Kinder haben. Dieser Newsletter gibt einen Überblick über die Folgen der sozialen Distanzierung für die geistige Gesundheit und die Lebensqualität betroffener Kinder und diskutiert computerbasiertes auditorisches Training als eine Möglichkeit, das Sprachverstehen von zu Hause aus gezielt zu trainieren.

 

 

Warum Kinder mit Hörverlust einer höheren Belastung durch soziale Isolation ausgesetzt sind

Die COVID-19 Krise bedingt erhebliche Einschränkungen für die Jüngsten.

Am 11. März 2020 erklärte die WHO COVID-19 zur globalen Pandemie mit u. a. der Folge, dass am 13. März die meisten Schulen und Kitas geschlossen wurden. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen rückläufig ist, hat das Coronavirus das gesellschaftliche Leben hierzulande noch fest im Griff. Viele Kinder, die von Hörverlust betroffen sind, wurden während des Lockdowns nicht nur aus dem öffentlichen und sozialen Leben in besonderem Maße ausgeschlossen. Sie mussten in einer Art doppelten Abgeschiedenheit leben, zusätzlich zur Einschränkung des Hörvermögens erfolgte eine „kommunikative Isolation“ in Haushalten, in denen Familienmitglieder oft Schwierigkeiten haben, in Gebärdensprache zu kommunizieren. Der Großteil (97,7 %) der taub geborenen Kinder wächst bei hörenden Eltern auf (Bredel and Maaß 2016). Der Großteil derselbigen kann keine Gebärdensprache sprechen, sodass taube Kinder die in der Familie gebräuchliche Sprache, im Gegensatz zu hörenden Kindern, nicht im frühen Kindesalter erlernen können. Bei einigen Eltern herrscht zudem eine Voreingenommenheit gegenüber der Gebärdensprache. Überdies zieht das Frühförderungssystem bei tauben und schwerhörigen Kindern oft die Lautsprache der Gebärdensprache vor. 

Kommunikationsprobleme und soziale Isolierung der schwerhörigen und gehörlosen Kinder in der aktuellen Situation

Der Wunsch nach sozialen Beziehungen entwickelt sich in der frühen Kindheit und bildet eine Grundlage für den Erwerb von sozialer Kompetenz im Erwachsenenalter (Hartup 1983). So korrelieren positive Interaktionen mit Gleichaltrigen in der frühen Kindheit mit einer besseren sozialen Anpassung in der Schule, besserer Emotionskontrolle (McElwain and Volling 2005; Odom, McConnell, and Brown 2007) und dem akademischen Erfolg (Buhs, Ladd, and Herald 2006). Eine Studie zeigte sogar, dass Kinder mit Hörverlust oft Schwierigkeiten haben, ihre Bedürfnisse dem Schulpersonal gegenüber zu kommunizieren, und sich manchmal wegen ihres Hörverlustes missverstanden oder sogar unterdrückt fühlen können (Edmondson and Howe 2019). 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass taube Kinder oft auf Ablehnung durch Gleichaltrige stoßen (Stinson and Antia 1999), sozial ausgeschlossen werden und bei normalhörenden Altersgenossen unbeliebt sind (Ridsdale and Thompson 2002). Hörende Schülerinnen und Schüler bevorzugen oft hörende Gleichaltrige als Freunde (Nunes, Pretzlik, and Olsson 2001), was zu Isolation und Einsamkeit bei Kindern mit Hörproblemen führen kann (Wauters and Knoors 2008). Unterschiede zwischen tauben und hörenden Kindern in Bezug auf Freundschaften wurden bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten in einer Studie, in der die Interaktionen von Vorschulkindern auf dem Spielplatz über einen Zeitraum von sieben Monaten beobachteten wurden, aufgezeigt (Lederberg et al. 1987). Dabei wurden zwei Arten positiver Interaktionen zwischen Kindern unterschieden: einerseits die sporadische Freundschaft, charakterisiert durch gelegentliche und positive Interaktion und das parallele Spielen, und andererseits die langfristige Freundschaft, charakterisiert durch die gegenseitige Vorliebe füreinander und interaktives Spielen. Obwohl während der Studiendauer bei allen hörenden und gehörlosen Kindern mindestens eine langfristige Freundschaft vorhanden war, gab es einen signifikanten Unterschied zwischen dem Freundschaftsmuster der hörenden und der gehörlosen Kinder. Während die Mehrheit der Freundschaften der hörenden Kinder langfristig angelegt war, war das häufigste Freundschaftsmuster bei den gehörlosen Kindern sporadisch. So waren gehörlose Kinder im Vorschulalter zu genauso vielen positiven Interaktionen mit Gleichaltrigen fähig wie hörende Schüler, wurden aber in deutlich weniger Fällen als Spielpartner von hörenden Kindern bevorzugt. Somit erscheint es nachvollziehbar, dass hörende Schüler*innen sozial erfolgreicher als ihre gehörlosen Altersgenossen sind (Marschark et al. 2012). 

Die moderne Generation von Kindern und Teenagern ist es gewohnt, über ihre Geräte wie Tablets oder Smartphones online zu kommunizieren. Kinder mit starker Hörschädigung ist des nur bedingt möglich.

Die Schließung der Schulen und Kitas während der Corona-Pandemie dürfte wahrscheinlich zusätzliche negative Einflüsse auf die soziale Entwicklung der schwerhörigen und tauben Kinder haben. Es konnte gezeigt werden, dass  Kinder, die eine Kindertagesstätte besuchten, effektiver mit Gleichaltrigen interagieren konnten als Kinder, die keine Tagesstätte besuchten (Stolk et al. 2013). Die moderne Generation von Kindern und Teenagern ist es gewohnt, über ihre Geräte wie Tablets oder Smartphones online zu kommunizieren, sodass für viele von ihnen die soziale Distanzierung wahrscheinlich leichter ist als für ältere Generationen. Viele Kinder und Teenager haben sich während der Pandemie bereits an die neuen sozialen Regeln adaptiert und organisieren „virtuelle Übernachtungen“, lange Video-Chats und Kinoabende über Streaming-Anbieter. 

All diese Coping-Strategien sind für Kinder mit starker Hörschädigung oder Taubheit nur bedingt anwendbar oder möglich. Insbesondere diejenigen, die das Lippenlesen oder die Gebärdensprache verwenden, werden von solchen Interaktionen in gewissem Umfang ausgeschlossen. Auch der Online-Unterricht stellt Kinder, die Technologien wie Hörgeräte oder Cochlea-Implantate verwenden, vor große Herausforderungen. Verständnisschwierigkeiten beim Hören der Lehrperson durch technische Probleme wie Verzerren oder Ausfallen des Tons können bei der elektronischen Übermittlung auftreten. Des Weiteren sind üblicherweise Untertitel beim Online-Unterricht nicht vorhanden und es fehlt die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten mit dem Verstehen, die Mitschüler um Hilfe zu bitten.

Auditorisches Training für besseres Sprachverstehen bei Kindern mit Hörminderung

Kinder mit Hörverlust haben bei Abwesenheit von Nebengeräuschen eine ähnliche Entwicklung der auditiven Fähigkeiten aufzuweisen wie ihre normalhörenden Altersgenossen (Sullivan, Thibodeau, and Assmann 2013). Bei komplexeren Höraufgaben, die anspruchsvolle Fähigkeiten erfordern wie z. B. Spracherkennung im Lärm, treten bei Kindern mit Hörverlust jedoch Defizite auf (Jerger 2007). Diese Schwierigkeit, Sprache im Lärm zu verstehen, wirkt sich negativ auf ihre Sprachentwicklung und ihren akademischen Fortschritt aus und ist in der Literatur gut dokumentiert (Dockrell and Shield 2004; Stelmachowicz et al. 2004). 

Mit dem Fortschritt der Technologie und der E-Learning-Programme haben computergestützte Programme für das Trainieren der Hörfähigkeit und des Sprachverstehens bei Lärm große Aufmerksamkeit erregt. Obwohl computergestütztes kognitives Training positive Effekte auf das Sprachverstehen hatte und die Effekte sogar auf der neuronalen Ebene gezeigt werden konnten (Angelucci et al. 2015; Fisher et al. 2016; Kupferberg, Koj, and Radeloff 2019; Sweetow and Palmer 2005), hat man die Wirkung fast ausschließlich bei erwachsenen Kollektiven getestet. Jedoch wurden in den letzten Jahren aufgrund der positiven bisherigen Ergebnisse und der Vorteile einer Anwendung in Heimnutzung auch mehrere computerbasierte Trainings für Kinder auf den Markt gebracht, wie zum Beispiel Angel Sound Training und Otto’s World of Sounds für Hörgeräteträger und Trainings von Advanced Bionics, MED-EL und  Cochlear für Kinder nach Cochleaimplantatversorgung (Nanjundaswamy et al. 2018). 

Bis jetzt gibt jedoch kaum Studien zum Nachweis einer Wirksamkeit dieser Programme bei Kindern. Dennoch ist die Bedeutung der Frühintervention bei Gehörlosigkeit oder Schwerhörigkeit eine allgemein anerkannte Tatsache, da es enorm wichtig ist, dass das Kind in seinen frühen Jahren die meiste auditive Stimulation erhält und damit eine altersgerechte auditorische Entwicklung stattfinden kann. 

Die Notwendigkeit der Durchführung zukünftiger Studien zum Nachweis der Wirksamkeit der bestehenden Programme für Kinder und die Anpassung von Trainingsprogrammen für Erwachsene an Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern ist aus unserer Sicht in dringendem Maße gegeben. 

Das Gehirn bietet das wahrscheinlich grösste Potenzial zur Reaktivierung der Hörverarbeitung. Genau an diesem Punkt setzt die medizinische KOJ®Gehörtherapie an, bei der Hirnverarbeitung.

Das Koj-Institut für Gehörtherapie hat bereits die erste Pilotstudie an Kindern für den Sommer 2020 geplant. Hier soll die Auswirkung des Trainings auf Sprachverstehen untersucht werden. Mit der Koj-Gehörtherapie sollen sich nicht nur das Sprachverstehen bei Hintergrundgeräusch, sondern auch wichtige kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit trainieren lassen. Ein angepasstes und effektives Training dieser Aspekte könnte das alltägliche Leben und die Kommunikation der betroffenen Kinder entscheidend positiv beeinflussen.

 

 

 

 

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Referenzen:

  • Angelucci, Francesco, Antonella Peppe, Giovanni A. Carlesimo, Francesca Serafini, Silvia Zabberoni, Francesco Barban, Jacob Shofany, Carlo Caltagirone, and Alberto Costa. 2015. “A Pilot Study on the Effect of Cognitive Training on BDNF Serum Levels in Individuals with Parkinson’s Disease.” Frontiers in Human Neuroscience 9.
  • Bredel, Ursula, and Christiane Maaß. 2016. Leichte Sprache: Theoretische Grundlagen ?Orientierung für die Praxis. Bibliographisches Institut GmbH.
  • Buhs, Eric S., Gary W. Ladd, and Sarah L. Herald. 2006. “Peer Exclusion and Victimization: Processes That Mediate the Relation Between Peer Group Rejection and Children’s Classroom Engagement and Achievement?” Journal of Educational Psychology 98(1):1–13.
  • Dockrell, Julie E., and Bridget Shield. 2004. “Children’s Perceptions of Their Acoustic Environment at School and at Home.” The Journal of the Acoustical Society of America 115(6):2964–73.
  • Edmondson, Suzanne, and Julia Howe. 2019. “Exploring the Social Inclusion of Deaf Young People in Mainstream Schools, Using Their Lived Experience.” Educational Psychology in Practice 35(2):216–28.
  • Fisher, Melissa, Synthia H. Mellon, Owen Wolkowitz, and Sophia Vinogradov. 2016. “Neuroscience-Informed Auditory Training in Schizophrenia: A Final Report of the Effects on Cognition and Serum Brain-Derived Neurotrophic Factor.” Schizophrenia Research: Cognition 3:1–7.
  • Hartup, W. 1983. Peer Relations. Handbook of Child Psychology. Wiley York NY.
  • Jerger, Susan. 2007. “Current State of Knowledge: Perceptual Processing by Children with Hearing Impairment.” Ear and Hearing 28(6):754–65.
  • Kupferberg, Aleksandra, Andreas Koj, and Andreas Radeloff. 2019. “Auditorisches Training Verbessert Sprachverstehen Und Kognitive Leistung.” HNO Nachrichten 49:32–37.
  • Lederberg, Amy R., Victor Rosenblatt, Deborah Lowe Vandell, and Steven L. Chapin. 1987. “Temporary and Long-Term Friendships in Hearing and Deaf Preschoolers.” Merrill-Palmer Quarterly 33(4):515–33.
  • Marschark, Marc, Rebecca Bull, Patricia Sapere, Emily Nordmann, Wendy Skene, Jennifer Lukomski, and Sarah Lumsden. 2012. “Do You See What I See? School Perspectives of Deaf Children, Hearing Children, and Their Parents.” European Journal of Special Needs Education 27(4):483–97.
  • McElwain, Nancy L., and Brenda L. Volling. 2005. “Preschool Children’s Interactions with Friends and Older Siblings: Relationship Specificity and Joint Contributions to Problem Behavior.” Journal of Family Psychology: JFP: Journal of the Division of Family Psychology of the American Psychological Association (Division 43) 19(4):486–96.
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  • Nunes, Terezinha, Ursula Pretzlik, and Jenny Olsson. 2001. “Deaf Children’s Social Relationships in Mainstream Schools.” Deafness & Education International 3(3):123–36.
  • Odom, S. L., Scott R. McConnell, and W. B. Brown. 2007. “Social Competence of Young Children: Conceptualization, Assessment, and Influences: Risk, Disability, and Intervention.” Social Competence of Young Children with Disabilities: Risk, Disability, and Intervention 3–30.
  • Ridsdale, Jacky, and David Thompson. 2002. “Perceptions of Social Adjustment of Hearing-Impaired Pupils in an Integrated Secondary School Unit.” Educational Psychology in Practice 18(1):21–34.
  • Stelmachowicz, Patricia G., Andrea L. Pittman, Brenda M. Hoover, Dawna E. Lewis, and Mary Pat Moeller. 2004. “The Importance of High-Frequency Audibility in the Speech and Language Development of Children with Hearing Loss.” Archives of Otolaryngology–Head & Neck Surgery 130(5):556–62.
  • Stinson, M., and S. Antia. 1999. “Considerations in Educating Deaf and Hard-of-Hearing Students in Inclusive Settings.” Journal of Deaf Studies and Deaf Education 4(3):163–75.
  • Stolk, Arjen, Sabine Hunnius, Harold Bekkering, and Ivan Toni. 2013. “Early Social Experience Predicts Referential Communicative Adjustments in Five-Year-Old Children.” PLOS ONE 8(8):e72667.
  • Sullivan, Jessica R., Linda M. Thibodeau, and Peter F. Assmann. 2013. “Auditory Training of Speech Recognition with Interrupted and Continuous Noise Maskers by Children with Hearing Impairment.” The Journal of the Acoustical Society of America 133(1):495–501.
  • Sweetow, Robert, and Catherine V. Palmer. 2005. “Efficacy of Individual Auditory Training in Adults: A Systematic Review of the Evidence.” Journal of the American Academy of Audiology 16(7):494–504.

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© Dr. Kupferberg, 05-2020, KOJ HEARING RESEARCH CENTER


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31/Mai/2020

Dr. Alexandra Kupferberg, Dr. Pascal Burger, Dr. Anna Buadze, Prof. Dr. Gregor Hasler, Prof. Dr. Tilo Strobach – Veröffentlicht in der Fachzeitschrift “Hörakustik”, Median Verlag, 05-2020.


Vorspann

In Deutschland hat sich die Kurve der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus in den vergangenen Tagen etwas abgeflacht, doch das Virus breitet sich weiter aus. So wie der Lockdown eine wirtschaftliche Rezession zu verursachen droht, wird er vermutlich auch zur „sozialen Rezession“ führen: Das überwiegend konsequente Praktizieren einer sozialen Distanzierung führt zu einem Zusammenbruch vieler klassischer sozialer Netzwerke, der voraussichtlich besonders hart für jene Bevölkerungsgruppen ist, die schon vor Beginn des Lockdowns am stärksten von Isolation und Einsamkeit betroffen waren. Hierzu zählen vor allem Erwachsene aus der Gruppe der Alten und Ältesten, besonders jene mit bereits bestehenden Gesundheitsproblemen und Behinderungen wie Schwerhörigkeit oder Demenz. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Folgen der sozialen Distanzierung für die mentale Gesundheit und diskutiert kognitives computerbasiertes Training als eine Möglichkeit, den Konsequenzen der Isolation entgegenzuwirken.

Nähe und soziale Unterstützung sind Grundbedürfnisse, die tief im Gehirn verankert sind

Eine rasche Umsetzung der sozialen Distanzierung im Rahmen der Corona-Pandemie war notwendig, um die Ausbreitung des COVID-19 zu verlangsamen und eine Dekompensation der medizinischen Versorgungslage zu verhindern. Vor allem Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und solche ab 65 Jahren sind auch weiterhin angewiesen, möglichst viel zu Hause zu bleiben. Doch die Forderung vor allem an ältere Menschen, soziale Kontakte zu ihrer Familie zu vermeiden, läuft dem zuwider, was evolutionär für uns alle vorgesehen ist: sich gegenseitig als Familie, Freunde und Gemeinschaft zu suchen und zu unterstützen. Man muss davon ausgehen, dass weniger Nähe nicht nur physische, sondern auch soziale Distanz bedeutet. Der Verlust alltäglicher sozialen Bindungen dürfte mit bedeutsamen Kosten für die Behandlung psychischer Folgeschäden verbunden sein (Friedler, Crapser, and McCullough 2015). Man kann mutmaßen, dass diese Kosten umso mehr steigen werden, je länger die Isolationsmaßnahmen andauern. 

Körperwärme und Verhaltensweisen wie Händchenhalten und Umarmen haben einen beruhigenden Effekt auf Menschen. Diese Verbindungen sind primäre Ressourcen, um auf Stress zu reagieren und die Wahrscheinlichkeit für ein Adaptieren und schlussendlich ein Überleben auch in stressgeprägten Zeiten bestmöglich zu erhöhen. 

Senioren die bereits vor der Coronakrise einsam waren, trifft der Lockdown besonders hart.

Es wurde in einer Studie mit 404 Probanden gezeigt, dass häufigere Umarmungen und soziale Unterstützung vor den pathogenen Auswirkungen von Stress schützen können und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten reduzieren (Cohen et al. 2015). In dieser Studie wurden die Probanden einem Erkältungsvirus ausgesetzt und während der Quarantäne hinsichtlich ihrer Symptome beobachtet. Die Ergebnisse zeigten, dass eine subjektiv stärker wahrgenommene soziale Unterstützung das Infektionsrisiko verringerte. Die positive Wirkung der sozialen Unterstützung ging in den Berechnungen zu 32 % auf die Umarmungen zurück. Bei den infizierten Teilnehmern bedingte eine größere Häufigkeit von Umarmungen jeweils weniger schwere Krankheitszeichen. 

Vor einigen Wochen wurde eine Studie aus Großbritannien publiziert, die zeigen konnte, dass sowohl Einsamkeit als auch Hunger zur Aktivierung der neuronalen Netzwerke in den Mittelhirnregionen führen. Diese Netzwerke sind für die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin zuständig, das umgangssprachlich oft als ein Glückshormon bezeichnet wird, und bereits bei Erwartung der Belohnung freigesetzt wird. Dopamin ist als Botenstoff für die Steuerung grundlegender Impulse für Belohnung und Motivation verantwortlich (Tomova et al. 2020). Nach der Isolation sehnten sich Probanden nach Interaktion genauso wie nach Nahrungsmitteln nach dem Fasten. Man kann also als Hypothese formulieren, dass unser Bedürfnis, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, genauso tief in unserem Gehirn verwurzelt ist wie unser Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme. 

Folgen von sozialer Distanzierung auf körperliche Gesundheit 

Eine chronische soziale Isolation ähnelt der gegenwärtig praktizierten sozialen Distanzierung und wird als ein Zustand definiert, in dem ein Individuum eine minimale Anzahl von sozialen Kontakten pflegt (Nicholson 2009). Vor allem bei alleinlebenden Menschen kann diese Situation schnell zur Einsamkeit führen. Die Ergebnisse einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 deuten darauf hin, dass der negative Einfluss der chronischen sozialen Isolation auf das Sterberisiko mit gut etablierten Risikofaktoren für die Mortalität wie Rauchen und Alkoholkonsum vergleichbar ist. Der negative Effekt anderer Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und Adipositas würde sogar von der sozialen Isolation in den Schatten gestellt (Holt-Lunstad et al. 2015). Die Autoren ermittelten, dass chronische soziale Isolation das Sterblichkeitsrisiko um 29 % erhöht. Als Erklärung wurde der Zusammenhang herangezogen, dass Einsamkeit Stress verursache, und langfristiger oder chronischer Stress zu häufigeren Erhöhungen eines wichtigen Stresshormons, des Cortisols, führe. Stress scheint mit einem größeren Sterblichkeitsrisiko, vor allem bei älteren Menschen, assoziiert zu sein (Schoorlemmer et al. 2009). 

Chronischer Stress ist offensichtlich aufgrund einer Glukokortikoidrezeptorresistenz mit einem höheren grundsätzlichen Entzündungsniveau im Körper verbunden. Dies bedingt wiederum das Herunterregulieren der Entzündungsreaktion bei z. B. einem Virusbefall (Cohen et al. 2012). Die Entzündungsreaktionen im Körper schädigen Blutgefäße und andere Gewebe und erhöhen das Risiko von Herzkrankheiten, Diabetes, Gelenkerkrankungen, Fettleibigkeit und vorzeitigem Tod.  

Abwesenheit von sozialer Interaktion hat einen negativen Einfluss auf kognitive Fähigkeiten 

Bezieht man den erwähnten immunologischen Ansatz mit ein, erscheint es logisch, dass soziale Isolation zu anhaltendem psychischen Stress führt (Seeman et al. 2001), welcher wiederum z. B. über die Schädigung cerebraler Gefäße die kognitive Funktionsfähigkeit einschränken kann. Auf diese Weise scheint die soziale Distanzierung bei älteren Menschen alle bereits bestehenden Krankheiten, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Alzheimer, verschlimmern zu können (Hakulinen et al. 2018). 

Bei Nagetieren wurde wiederholt demonstriert, dass soziale Isolation zu einer Verschlechterung des Gedächtnisses führt (Leser and Wagner 2015). Mehrere Studien am Menschen haben gezeigt, dass enge soziale Beziehungen das Risiko des kognitiven Abbaus verringern und den Ausbruch einer Alzheimer-Erkrankung verzögern können (Stern 2006; Szekely, Breitner, and Zandi 2007). Eine relativ neue systematische Übersichtsarbeit, die die Ergebnisse aus 51 Studien zusammenfasste, zeigt, dass eine geringe Anzahl von sozialen Aktivitäten und kleinere soziale Netzwerke einen Risikofaktor für kognitive Verlangsamung (Evans et al. 2019) und Verschlechterung des Gedächtnisses (Hsiao, Chang, and Gean 2018; Read, Comas-Herrera, and Grundy 2020) im späteren Leben darstellen. Der soziale Umgang und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten ist kognitiv „herausfordernd“, „aufwendig“ und stimulierend für das Gehirn. Gespräche mit anderen Menschen und Teilnahme an Gruppenaktivitäten führen zur Verbesserung der kognitiven Funktionen durch Schulung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie kognitiver Verarbeitungsgeschwindigkeit (Aartsen et al. 2002; Brown et al. 2016; Fratiglioni, Paillard-Borg, and Winblad 2004). 

Soziale Distanzierung kann die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen

Die Abwesenheit von Interaktion mit anderen ist ein wichtiger psychosozialer Stressfaktor, der zur erhöhten Prävalenz neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen beiträgt (Friedler et al. 2015). So wird durch soziale Isolation das Risiko des Auftretens von Schizophrenien (Jiang, Cowell, and Nakazawa 2013) oder Manien (Gilman et al. 2015) erhöht. Mangel an sozialer Interaktion vermindert zudem die Stimulation des Gehirns und führt zu einer Verringerung der kognitiven Reserve (Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen pathologische Veränderungen im Alter), der grauen Substanz (Kiesow et al. 2020) und damit zu einem schnelleren kognitiven Rückgang (Evans, Llewellyn, et al., 2018). 

Eine Einschränkung der kognitiven Funktionsfähigkeit kann aber auch durch die Erzeugung von psychischem Stress durch die soziale Isolation entstehen (Seeman et al. 2001). Geringere kognitive Reserven und ein kognitiver Rückgang können wiederum zu einer erschwerten Kommunikation und damit zum Rückzug aus dem sozialen Leben führen  (Bennebroek Evertsz’ et al. 2017). Dieser Aspekt könnte, auch nachdem die Maßnahmen für soziale Distanzierung gelockert oder aufgehoben sein werden, das Zurückkehren in ein normales Gesellschaftsleben für ältere, alleinlebende Menschen zusätzlich erschweren.  

Ältere Menschen sind während der Corona-Krise besonders stark von der sozialen Isolation betroffen 

Obwohl Menschen jeden Alters anfällig für die negativen Auswirkungen von sozialer Isolation und Einsamkeit sind, sind während der Corona-Krise gerade ältere Menschen betroffen, weil sie oft unter chronischen Krankheiten leiden und damit zur Risikogruppe gehören. Erschwerend kommt hinzu, dass Altersheime und Pflegeeinrichtungen Besuchsverbote erlassen mussten, wodurch die sozialen Kontakte der Bewohner zur Außenwelt wegfallen. Außerdem können einige ältere Menschen jetzt nicht mehr arbeiten oder sind im Home-Office. Dies führt dazu, dass neben den Kontakten im Freundeskreis und in der Familie auch die alltäglichen sozialen Kontakte im beruflichen Umfeld wegfallen.

Bereits in krisenfreien Zeiten erfährt man mit zunehmendem Alter oft Einbußen in der Mobilität und auch die soziale Unterstützung schrumpft mit dem Tod von Freunden und Familie. Lokale Vereine, Treffen in der religiösen Gemeinde und Zeit mit der Familie bringen soziale Struktur und Freude in das Leben vieler Menschen. Sie sind aber auch besonders wichtige Anknüpfungspunkte für diejenigen, die aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustands nicht arbeiten oder nicht allein unterwegs sein können. Wenn ältere und kranke Menschen monatelang von sozialen Aktivitäten Abstand nehmen müssen, so wie aktuell, wird sich voraussichtlich die Qualität ihres Lebens deutlich verschlechtern, und es wird ihnen schwerfallen, die alten Strukturen und Beziehungen wiederaufzubauen, selbst wenn die Krise wieder vorbei ist. Verlust der gewohnten Routine und verminderter sozialer und physischer Kontakt mit anderen Menschen führen häufig zu Langeweile, Frustration und einem Gefühl der Isolation vom Rest der Welt, was ein Gefühl der Verunsicherung erzeugt (Jeong et al. 2016; Taylor et al. 2008). Diese Frustration kann auch noch dadurch verstärkt werden, dass manche ältere Menschen sogar auf das Einkaufen von Lebensmitteln aufgrund von Ansteckungsangst verzichten (Hawryluck et al. 2004). 

Die Effekte der sozialen Isolation auf die Neuroplastizität und das Gedächtnis

Viele ältere Menschen halten über die sozialen Netzwerke Kontakt zu Familie und Freunden, Computerisiertes kognitives Training kann darüber hinaus positive Effekte auf die kognitive Fitness während einer Isolation haben.

Es existieren bisher nur relativ wenige Studien an Menschen, welche sich mit den Folgen von sozialer Distanzierung auf das Gehirn beschäftigt haben. Dennoch widmeten sich bereits mehrere Studienansätze den Folgen von sozialer Abgeschiedenheit bei bestimmten Populations- oder Berufsgruppen, wie zum Beispiel Astronauten oder Antarktisforschern. Diese Forschungsansätze erlauben es, gewisse Parallelen zu sehen und so Hypothesen hinsichtlich möglicher Folgen des aktuellen Vorgehens in der Corona-Krise zu generieren. In einer aktuellen Hirnbildgebungsstudie werden die Ergebnisse einer Untersuchung beschrieben, in der neun Personen beobachtet wurden, die 14 Monate auf der isolierten deutschen Polarstation Neumeyer III in der Antarktis verbrachten (Stahn et al. 2019). Während der gesamten Zeit hatten sie den gleichen monotonen Wohn- und Arbeitsraum, und die sozialen Interaktionen waren auf eine kleine Gruppe von Menschen beschränkt. Neben den Daten aus der funktionellen Bildgebung, die vor und nach der Expedition gesammelt wurden, wurde bei den Teilnehmern während ihres Aufenthalts auf der Station die Konzentration eines Schlüsselproteins, des sogenannten Wachstumshormons „Brain Derived Neurotrophic Factor“ (BDNF), überwacht. Seit seiner Entdeckung vor fast vier Jahrzehnten ist bekannt, dass der BDNF an der Differenzierung und dem Überleben von Nervenzellen des Zentralnervensystems (ZNS) beteiligt ist. In jüngerer Zeit hat sich BDNF auch als wichtiger Regulator der Synaptogenese (Bildung von neuen Nervenzellverbindungen) und der Neuroplastizität erwiesen, welche dem Lernen und Gedächtnis im erwachsenen ZNS zugrunde liegen (Cunha, Brambilla, and Thomas 2010). Es ist bekannt, dass chronischer Stress zu einer Abnahme der BDNF-Konzentration im Hippocampus, einer stressempfindlichen Hirnregion, führt, die auch eng mit der Pathophysiologie der Depression zusammenhängt (Zaletel, Filipović, and Puškaš 2017). Die Ergebnisse der oben beschriebenen Studie zeigten, dass nach der Expedition die Konzentration des BDNF im Gehirn der Forscher abgenommen hatte. Die Gehirnscans der Antarktisforscher ergaben, dass das Volumen des Hippocampus, einer für Lernen und Gedächtnis kritischen Hirnstruktur, bei den Teilnehmern der Studie sich deutlich verkleinert hatte. Als eine der wenigen Hirnregionen, die bis ins Erwachsenenalter Neuronen aussprossen lassen kann, „verdrahtet“ der Hippocampus unsere neuronalen Schaltkreise ständig neu, während wir lernen und neue Erinnerungen sammeln. Auch der rechte dorsolaterale präfrontale Kortex und der linke orbitofrontale Kortex wiesen mittlere Abnahmen der grauen Substanz auf. Die Autoren der Studie nehmen an, dass diese Ergebnisse die Folge von geringer Gehirnstimulation darstellen, da die Expeditionsteilnehmer über Monate hinweg mit nur wenigen ausgewählten Personen Kontakt hatten. Die Veränderungen im Gehirn, die im Antarktis-Team beobachtet wurden, sind den Beobachtungen bei Nagetieren ähnlich, die darauf hindeuten, dass längere Perioden sozialer Isolation zur Reduktion der BDNF-Serumkonzentration führen (Murínová et al. 2017; Scaccianoce et al. 2006) und die Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenzellen zu bilden, abschwächen (Stranahan, Khalil, and Gould 2006). 

Ein Hauptunterschied der Studienanordnungen zur jetzigen Situation besteht darin, dass die Zeitspanne, in der man soziale Kontakte mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts physisch meiden sollte, im Moment noch nicht definiert werden kann. Dies resultiert in einer Unsicherheit, weil im Zuge des ungewissen und ungeplanten Verlaufes der Pandemie über die gegensteuernden Maßnahmen kurzfristig entschieden wird. Allenfalls durch gewisse öffentlich kommunizierte Parameter wie die Ausbreitungsgeschwindigkeit bzw. das Risiko, sich anzustecken, kann ungefähr abgeleitet werden, wie lange die Einschränkung noch bestehen wird. Gleichzeitig sind die Probanden/Probandinnen, in diesem Fall die gesamte Bevölkerung, aber nicht flächendeckend ausreichend kompetent hinsichtlich der Epidemiologie und können in vielen Fällen nur eine subjektive Gewichtung der Informationen vornehmen. Im Gegensatz hierzu kennen die meisten Menschen, die z. B. in einer abgelegenen Region der Erde arbeiten oder sich im Weltraum befinden oder an einem spezifischen Versuch teilnehmen, einen definierten Zeitpunkt, wann sie wieder in den Alltag zurückkehren können, und können sich dadurch besser auf die Situation einstellen. 

Sensorische Deprivation während der Isolation kann zu auditorischen Halluzinationen und Tinnitus führen

Der Effekt von sensorischer Deprivation auf die Wahrnehmung war bereits früher an College-Studenten untersucht (Heron 1957) worden. Die Teilnehmer verbrachten Tage oder Wochen allein in schalldichten Kabinen, ohne menschlichen Kontakt und mit minimaler Wahrnehmungsstimulation. Sie schliefen auf U-förmigen Schaumstoffkissen, um den Lärm einzuschränken, und Klimaanlagen wurden aufgestellt, um durch das Summen minimale Geräusche zu maskieren. Schon nach wenigen Stunden wurden die Studenten unruhig, ängstlich oder emotional und begannen zu sprechen oder zu singen. Unser Gehirn ist nämlich daran gewöhnt, eine Menge an Informationen wie visuelle, auditive und andere Umgebungsreize zu verarbeiten. Wenn diese Reize fehlen, feuern die Sinneszellen weiter, aber auf eine Weise, die wenig Sinn ergibt. Nach einer Weile beginnt das Gehirn, aus spärlichen Signalen, die ihm zur Verfügung stehen, eine neue Realität zu konstruieren, was zu visuellen und auditorischen Halluzinationen führen kann.

Auf einer ähnlichen Theorie basiert die Annahme, dass Tinnitus durch das Ausbleiben des normalen Inputs durch Beschädigungen an den äußeren Haarsinneszellen im Innenohr getriggert wird. Werden zum Beispiel aufgrund von einem „Knalltrauma“ keine Impulse mehr zum Gehirn gesendet, entstehen spontane Signale, die als Klang interpretiert werden und als Tinnitus wahrnehmbar sind (Kaltenbach 2011; Schaette and Kempter 2012). Diese Hypothese konnte mit einer kleinen Pilotstudie mit Normalhörenden belegt werden. Wenn man Testpersonen sieben Tage lang einen Ohrstöpsel in einem Ohr tragen lässt, können die meisten Personen nach Ablauf des Experiments Phantomgeräusche wahrnehmen (Schaette, Turtle, and Munro 2012). Nach der Entfernung des Ohrstöpsels waren die Phantomgeräusche nach wenigen Stunden verschwunden, weil die Teilnehmenden wieder Geräusche von außen hören konnten. Tatsächlich deutet eine große Anzahl von Studien auf einen engen Zusammenhang zwischen Hörverlust und Tinnitus hin (König et al. 2006; Paul, Bruce, and Roberts 2016; Schaette and McAlpine 2011). Dabei wird deutlich, dass die meisten Tinnitus-Patienten auch an Hörverlust leiden bzw. Hörverlust zu Tinnitus führen kann (Martines et al. 2010; Mazurek et al. 2010). 

Kognitives Training und E-Learning-Programme wirken sich positiv auf Neuroplastizität und Gedächtnis aus

Soziale Kontakte können die negativen Auswirkungen von Stress abfedern – die Anwesenheit von Freunden kann sogar die kardiovaskuläre Reaktion einer Person auf eine stressige Aufgabe verringern (Holt-Lunstad et al. 2015). Die moderne Technologie ermöglicht es, unsere Freunde und Familie auch auf die Distanz zu sehen und zu hören. Textnachrichten, E-Mails und Applikationen zum videogestützten Austausch, wie Skype oder FaceTime, werden als Option erachtet, dass Menschen in Kontakt bleiben. Dennoch können diese Kommunikationsmodi die persönliche Interaktion nicht vollständig ersetzen. Während zwischenmenschlicher Interaktion wird ein großer Teil der Bedeutung des Gesagten nicht durch die eigentlichen Worte, sondern durch Körpersprache, Mimik und Gestik vermittelt. Diese Aspekte können bei elektronischen Medien verloren gehen.

Auch computerisiertes kognitives Training kann positive Effekte auf die kognitive Fitness während einer Isolation haben und als Prävention gegen eine Reduktion der kognitiven Fähigkeiten dienen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass ein solches Training Depressionssymptome abmildern kann (Motter et al. 2016). In einer anderen Studie wurde kognitives auditorisches Training erfolgreich eingesetzt, um psychische Beschwerden von depressiven Patienten zu verringern und die Alltagsbewältigung und die kognitive Funktion zu verbessern (Preiss et al. 2013). Bei der Testgruppe wurde das Training dreimal wöchentlich, jeweils 20 Minuten lang, acht aufeinander folgende Wochen lang durchgeführt. Eine zweite Gruppe von Patienten (Kontrollgruppe) erhielt nur die Standardbehandlung (Medikamente und psychologische Therapiesitzungen). Der Vergleich zwischen den Gruppen nach dem Training zeigte, dass diejenige Gruppe, die das Training absolviert hatte, ein signifikant reduziertes Niveau depressiver Symptome aufwies. Diese Gruppe zeigte auch signifikante Verbesserungen in Bereichen wie Aufmerksamkeit und Bewältigung des Alltags. 

In einer weiteren Studie wurde der Effekt von kognitivem Training auf das Demenzrisiko bei 2.802 gesunden älteren Erwachsenen (im Durchschnitt 74 bis 84 Jahre alt) untersucht (Edwards et al. 2017). Dazu wurden die Probanden zehn Jahre lang beobachtet. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in eine Kontrollgruppe oder eine von drei Interventionsgruppen eingeteilt, wobei verschiedene Arten von kognitivem Training eingesetzt wurden: 1) Training der Strategien für besseres Gedächtnis 2) Training der Strategien für bessere Argumentation 3) individualisiertes computergestütztes Training zur Verbesserung der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei allen Teilnehmern wurden zu Beginn der Studie, nach den ersten sechs Wochen und jeweils nach 1, 2, 3, 5 und 10 Jahren die kognitiven Fähigkeiten untersucht. Interessanterweise fanden die Forscher keinen signifikanten Unterschied im Demenzrisiko bei den Gruppen, die strategiebasiertes Gedächtnis- oder Argumentationstraining durchgeführt hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe. Jedoch zeigte die Gruppe, die computergestütztes Geschwindigkeitstraining durchgeführt hatte, ein signifikant geringeres Risiko für Demenz im Vergleich zur Kontrollgruppe – im Durchschnitt eine 29-prozentige Risikoreduktion.

Die Effekte des kognitiven Trainings sind im Gehirn messbar. Die Ergebnisse einer Studie an Parkinson-Patienten, die sich der kognitiven Rehabilitation unterzogen, deuten darauf hin, dass kognitives Training zu einem erhöhten Serum-BDNF-Spiegel im Vergleich zur Placebo-Gruppe führte (Angelucci et al. 2015). Eine andere Studie zeigt eine Verbesserung der kognitiven Funktionen und des BDNF-Serumspiegels nach 24 Sitzungen mit einem computergestützten kognitiven Training bei älteren Frauen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung sowie einen signifikanten Anstieg von BDNF im Blutserum (Damirchi, Hosseini, and Babaei 2018). Eine dritte Studie, an denen Patienten mit Schizophrenie teilnahmen, zeigt, dass sie nach 50 Stunden intensivem computergestütztem auditorischem Training einen erhöhten BDNF-Serumspiegel im Vergleich zu der Kontrollgruppe, die Computerspiele gespielt hat, aufwiesen (Fisher et al. 2016).

Innovative, technologische Werkzeuge im Bereich des E-Learnings und computerbasierten Gehirntrainings, zum Bespiel die Koj-Gehörtherapie oder LACE-Training, ermöglichen es, auf professionelle Art und Weise die kognitiven Fähigkeiten bequem von zu Hause aus zu trainieren und die kognitiven Reserven zu verbessern (Kupferberg, Koj, and Radeloff 2019). Diese Trainings wurden entwickelt, um die Leistung des Benutzers konsistent zu messen, und passen das Niveau und die Art der Aufgaben automatisch an seine Fähigkeiten und Bedürfnisse an. Sie trainieren nicht nur das Sprachverstehen, sondern wichtige kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit, die für das alltägliche Leben und die Kommunikation vor allem bei älteren Menschen mit Hörproblemen entscheidend sind.

Empfehlungen für HNO-Ärzte, Audiologen und Hörgeräteakustiker

Menschen, die unter Quarantäne stehen, befürchten oft, infiziert zu werden oder andere zu infizieren. Außerdem tendieren sie oft zu übertriebenen Beurteilungen aller körperlichen Symptome. Diese Angst kann durch unzureichende Informationen aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Medien noch verschlimmert werden. Eine erst vor wenigen Wochen erschienene wissenschaftliche Arbeit betont, dass vorrangig dafür gesorgt werden sollte, dass vor allem Risikopersonen ein gutes Verständnis der betreffenden Krankheit und der Gründe für die Quarantäne haben (Brooks et al. 2020). Aus diesem Grund ist während der Corona-Krise der Zugang zu verlässlichen Informationen von Gesundheitsbehörden besonders wichtig. Es ist aber nicht immer einfach, Gehörlosen und Menschen mit Hörverlust Informationen zukommen zu lassen, insbesondere in einer Pandemie, wenn die Informationen häufiger aktualisiert werden. Einige Menschen mit Hörverlust sind auf das Lippenlesen angewiesen, was bei TV-Sendungen schwerfällt und bei Radiosendungen oder Telefonaten gar unmöglich ist. Auch mit dem verbreiteten Tragen der Masken und der Notwendigkeit, zwei Meter Distanz einzuhalten, kann ihre Fähigkeit, Gespräche zu verstehen und ihnen zu folgen, beeinträchtigt werden. Eine mögliche Lösung diesbezüglich könnte bereits gefunden worden sein: Eine Studentin der Erziehungswissenschaften für Gehörlose und Schwerhörige aus den USA hat eine spezielle Maske entwickelt, bei der die Mundpartie aus durchsichtigem Plastik besteht, sodass dieser Teil des Gesichts zwar geschützt, aber dennoch sichtbar ist. 

Eine im Februar dieses Jahres veröffentlichte Studie aus China ergab, dass das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit, unabhängig vom Vorhandensein oder Fehlen von Symptomen, mit einem geringeren Grad an Angst und Depression assoziiert war, weil sie ein Gefühl der Sicherheit vermittelt (Wang et al. 2020). 

Auch Methoden wie Fernprogrammierung und Konfiguration von Hörgeräten über das Internet, ohne dass die Patienten ins Geschäft kommen müssen, werden bei manchen Hörgeräteakustikern, u. a. am Koj Institut für Gehörtherapie in der Schweiz, seit Kurzem angeboten (https://koj.training). Das Remote-Fitting stellt eine valide Alternative zu persönlichen Terminen während der Zeiten der sozialen Distanzierung infolge der COVID-19-Pandemie dar, um den Patienten trotz der Beschränkungen audiologische Hilfe anzubieten.  

Trotz der problematischen Lage werden voraussichtlich einige ältere Menschen auch mit der sozialen Distanzierung besser zurechtkommen als andere. Bei manchen werden vielleicht die sozialen Kontakte sogar zunehmen, wenn sich Freunde und Familie verstärkt um sie kümmern, soweit dies im Rahmen der Abstandseinhaltung möglich ist. Manche älteren Menschen bleiben auch durch Telefon- und Videoanrufe, SMS oder den Beitritt zu einer Online-Community in Verbindung. Allerdings ist wohl bei einem Großteil dieser Bevölkerungsgruppe von starken Einschränkungen bis hin zum kognitiven Rückgang auszugehen. Normalerweise erhalten wir während der Arbeit oder bei sozialen Aktivitäten viele Gelegenheiten für kognitive Herausforderungen. Die tiefgreifenden Veränderungen in unserem Lebensstil aufgrund der sozialen Distanzierung wegen COVID-19 machen es notwendig, die Denkfähigkeit und Kognition gezielt und bewusst zu trainieren, wie es von Experten wie Dr. Amit Lampit und Dr. Alex Bahar-Fuchs von der Universität Melbourne, Australien, empfohlen wird. Zu beachten ist aber, dass bei Verwendung kommerzieller Hirntrainingsprodukte es notwendig ist, diese auf ihre wissenschaftlich erwiesene Wirkung zu überprüfen, was nur in placebokontrollierten Studien möglich ist. Studien mit diesen Produkten werden unsererseits gegenwärtig im Koj Hearing Research Center Zürich in Kollaboration mit der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, der psychologischen Fakultät der Universität Zürich, der Uniklinik Köln, der Universität Fribourg und der Hamburg Medical School angestrebt und durchgeführt. 

Auch wenn zum geschilderten Themenfeld der sozialen Isolation noch keine Untersuchungen mit den genannten Trainings spezifisch unternommen wurden, so sehen wir auch hier begründetermaßen großes Potenzial. Soziale Kommunikation und Interaktion und deren gezieltes Üben könnte einen Schlüssel zur Verbesserung der Situation darstellen, gerade bei alten und vorerkrankten Patienten/Patientinnen in der gegenwärtigen Krise, und sollte als Behandlungsoption getestet und einbezogen werden. 


Die Autoren

Dr. Pascal Burger, Universitätsklinik Zürich
Prof. Dr. Gregor Hasler, Universitätsklinik Bern
Dr. med. Mattheus Vischer

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Thilo Strobach, Medical School Hamburg
Dr. Alexandra Kupferberg, Wissenschaftliche Leitung KHRC
Dr. med. Anna Buadze, Universitätsklinik Zürich

 

 

 

 

 

 

 


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31/Mai/2020

Ein Artikel von Emil Wallimann, Zeitschrift LEBENDIG 04-2020.


Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage, ob ich mal einen Fachartikel schreiben könnte betreffend Umgang als Dirigent mit Mitgliedern die weniger gut hören und ein Hörgerät haben. Leider, so muss ich wohl sagen, kann ich auch da aus eigener Erfahrung schreiben. Dazu aber später.

Hörminderung – ein schleichender Prozess

Etwas schlecht gehört zu haben, das ist jedem schon einmal passiert. Aber irgendwann fängt es an, sich zu häufen. Dein Partner/deine Partnerin sagt zum Beispiel: «Hörst du diese Grillen?» und du kannst sie beim besten Willen nicht hören. Zu Beginn lassen sich anspruchsvolle Situationen noch einigermassen kompensieren: Man erhöht die Lautstärke, fragt öfters nach und versucht sich zu konzentrieren, um dem Gespräch noch folgen zu können. Viele Betroffene merken selbst nicht, dass ihr Gehör nachgelassen hat. Erst nach durchschnittlich sieben Jahren macht sich eine Schädigung der Ohren durch Kommuni- kationsprobleme im Alltag so bemerkbar, dass Betroffene aus eigener Initiative reagieren. Zu spät, denn in dieser Zeit ist die komplexe Fähigkeit der Sprache, Wichtiges aufzunehmen und Unwichtiges zu ignorieren, zunehmend verloren gegangen. Durch diese Veränderung wird eine Person plötzlich zum einsamen Wolf. Sie sitzt zwar mitten in einer gemütlichen Runde, zieht sich aber zusehend mehr und mehr in sich zurück. Grund: Sie kann den Gesprächen nicht mehr folgen, sie versteht den Inhalt nicht mehr und irgendwann hängt sie ab.

Hören und Verstehen

Das Gehirn bietet das wahrscheinlich grösste Potenzial zur Reaktivierung der Hörverarbeitung. Genau an diesem Punkt setzt die medizinische KOJ®Gehörtherapie an, bei der Hirnverarbeitung.

Mit dem Hören meinen wir zunächst einmal die akustischen Vorgänge im «Ohr». Doch die Signale von dort müssen im Gehirn aufbereitet werden, damit aus Hören Verstehen – Hörverstehen – werden kann. Das Gehirn unterscheidet die wichtigen von den unwichtigen akustischen Informationen und filtert alles Unwichtige aus. Millionen Nervenzellen in unserem Gehirn entscheiden jede Sekunde, welche gehörten Informationen wir verarbeiten und welche wir ignorieren. Erst so verstehen wir einen bestimmten Gesprächspartner in einer Gruppe von Menschen oder in einem Café. Unsere Ohren sind das wichtigste Sinnesorgan, das wir haben und der grösste Lieferant von Informationen für unser Gehirn. Im Alltag hören wir mehr, als wir in der Summe sehen, riechen, schmecken und fühlen können. Genau diese Fähigkeit verlernen wir aber, wenn die dafür zuständigen Hirnregionen aufgrund einer Hörminderung weniger beansprucht werden.

Meine Situation

Nach einigen Jahren Berufsleben in einem lauten Handwerkerberuf (ohne Gehörschutz) und vielen Jahrzehnten mit unzähligen lauten bis sehr lauten Musikproben, hat sich mein Gehör schleichend und unmerklich verschlechtert. Erst durch Hinweise meiner Frau bemerkte ich, dass ich vieles nicht mehr verstand oder hören konnte. Öfters kam es auch vor, dass ich mich an öffentlichen Anlässen plötzlich aus dem Gespräch zurückzog und relativ teilnahmslos dabeisass. Das hatte wie oben beschrieben damit zu tun, dass ich eine Zeitlang mit grosser Konzentration noch mithalten konnte, aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. An Sitzungen musste ich mir angewöhnen, möglichst einen zentralen Platz einzunehmen um alle anderen wirklich zu verstehen. Mehr und mehr bekam ich auch stimmliche Probleme, die mir absolut keinen Sinn machten. Erst nachdem ich meine Hörgeräte hatte merkte ich, dass ich jahrelang aufgrund des reduzierten Hörfähigkeit viel zu laut gesprochen hatte, was zudem ganz klar meiner Stimme schadete.

Welches Hörgerät

Sobald man sich der Problematik mal bewusst wird, muss man sich überlegen welches Hörgerät man möchte oder in welches Geschäft man gehen soll. Schnell habe ich gemerkt, dass grundsätzlich alle Hörgeräthersteller absolute High-Tech für die Ohren anbieten. Praktisch alle Hörgeräte sind heute über das Handy zu steuern und bieten so zusätzliche Vorteile. Meine Entscheidung wurde einzig durch eine Tatsache beeinflusst. Ich wählte letztendlich jene Firma, die zusätzlich zum Hörgerät auch ein Hörtraining anbietet.

Gehörtraining

Als ich das Geschäft zum ersten Mal mit meinen Hörgeräten verliess, kam das heitere Erwachen. Die schöne Stadt Luzern war nur noch eines: laut! Hörgeräte verbessern das Hören ganz entscheidend, denn diese dezenten technischen Wunderwerke gleichen die Hörminderung der Ohren aus. Plötzlich versteht man nicht nur die Person gegenüber sehr gut, sondern alles was man lieber nicht verstärkt hören möchte wird einem zu laut. An diesem besagten Tag hatte ich aber nicht nur meine Hörgeräte zum ersten Mal in den Ohren, nein ich hatte auch eine Tasche mit einem speziellen iPad mit dabei. Dieses sollte in den kommenden Wochen mein Trainingspartner werden.

Mit dem KOJ-Lerncomputer kann jeder Nutzer individuell nicht nur sein Gehör, sondern seine Kognition trainieren.

Dieses iPad ist mit vielen Lektionen der Hörschulung programmiert. Täglich absolvierte ich eine Lektion von 30 – 45 Minuten. Jedes Jahr kann ich dieses Training über einige Wochen wiederholen, was immer sehr hilfreich ist. Es ist, wie gesagt, nicht in erster Linie die Lautstärke das Problem, es sind die durch die Hörminderung nicht mehr verstanden Vokale und Konsonanten oder deren Verwechslung. So beinhaltete jede Lektion sämtliche Hörfähigkeiten: Unterscheiden von hohen und tiefen Tönen (welcher von vier Tönen war der höchste?), leisen und lauten Tönen (welcher war der lauteste oder leiseste Ton) kurzen und langen Tönen (welcher war der kürzeste oder längste Ton?) Weiter gab es viele Übungen mit Kunstwörtern, die anders aber doch sehr ähnlich klangen: ama, ana, ala, aga, awa etc. Auf dem Display musste das Gehörte angetippt werden. Durch diese Übungen wurde es auch möglich, das Hörgerät möglichst optimal einzustellen. Weiter gab es Zahlenfolgen, die in der korrekten Reihenfolge nachgetippt werden mussten. Meistens fanden die Übungen mit einem Hintergrundgeräusch statt, welches dem in einem Restaurant bei Hochbetrieb sehr nahekam. Ebenfalls gab es immer einen Abschnitt eines Hörbuches, natürlich auch mit Nebengeräusch. Hier mussten Aufgaben gemacht werden wie beispielsweise immer antippen, wenn das Wort «und» im Text vorkam. Am Ende einer jeden Übung wurde das «gehörte» Resultat angezeigt. Es war sehr erstaunlich, wie ich mich über die Wochen dabei steigern konnte. Genau im gleichen Ausmass gelang es mir, im Alltag mit den Hörgeräten besser klar zu kommen. Heute ist für mich klar was schon Dr. Alexandra Kupferberg, eine Neurowissenschaftlerin sagte: «Das Gehör ist trainierbar». Dieses neu erlernte fokussierte Hören ermöglicht einem wieder, sich auf die Worte seines Gesprächspartners zu konzentrieren und die Stimmen am hinteren Tisch auszuschalten. Früher war eine Delegiertenversammlung, ein Volksapéro oder ein Aufenthalt in der Festmeile ein Graus für mich. Auch heute kann das noch schwierig werden, aber in einem normalen Rahmen geht das wirklich sehr gut.

Umgang im Alltag

Wie oben erwähnt ist das Hörgerät über eine App auf dem Natel steuerbar. Ich selber habe da drei Einstellungen: Alltag – Musik hören – Musik machen. Bevor ich meine Jodelprobe beginne, schalte ich auf dem Handy auf «Musik machen» und los geht’s. Am Ende der Probe schalte ich wieder auf «Alltag» und alles wird ein wenig lauter und heller. Wenn ich in ein Konzert gehe, belasse ich es vorerst auf «Alltag». Wenn es mir dann zu laut oder zu grell wird, (je nach Formation und Musikstil) so nehme ich mein Handy und schalte auf «Musik hören».

Umgang mit Sängern mit Hörgerät

In unseren Chören haben wir viele Mitglieder mit einem Hörgerät oder solche die eines haben sollten. Wenn ein Sänger plötzlich zu laut singt, könnte dies ein Anzeichen eines Gehörverlustes sein. Hier lohnt es sich zuerst die Situation zu beobachten und vielleicht vorerst nur mit dem Präsidenten zu besprechen. Wenn sich die Vermutung langsam bestätigt, muss mit diesem Sänger das Gespräch gesucht werden. Mitglieder, die bereits ein Hörgerät haben brauchen in der Regel keine Sonderbehandlung. Wenn aber Unsicherheiten beim Singen festzustellen sind, lohnt sich auch hier die Sache mal anzusprechen. Vielleicht ist das Hörgerät falsch eingestellt oder es hat keine Einstellung für die musikalische Betätigung? So könnte man den Sänger ermutigen, dies mit der entsprechenden Ansprechperson mal anzuschauen und eine Lösung dafür zu suchen.

Was bleibt Ein geschädigtes Gehör kann sich nicht plötzlich erholen und genesen wie andere körperliche Beschwerden dies vielleicht können. Der Schaden bleibt und man muss damit leben können. Ein Hörgerät kann einfach den Alltag wieder erträglich und das Leben lebenswert machen.

Licht und Schatten

Wo es Schatten gibt muss es auch Licht geben. Demzufolge haben auch Hörgeräte ihre Vorteile. Durch die Verbindung mit dem Handy durch Bluetooth brauche ich weder Stöpsel in den Ohren noch riesige Kopfhörer. Ruft mich jemand auf dem Handy an, so läutet das direkt in meinen Ohren und ich kann jederzeit frei sprechen ohne das Telefon an meine Ohren zu halten. Das Hören von Hörbüchern, Radiosendungen und Musik ist immer und überall möglich ohne jemand dabei zu stören. Da ich auf dem Handy eine Klavier-App habe, kann ich auch jederzeit mit dem Handy anstimmen, denn niemand hört diesen Ton meines Natels ausser ich in meinen Ohren. Ja, es gibt bei allem immer auch eine positive Seite!

Ratschlag

Tragt Sorge zu eurem Gehör. Schützt eure Ohren bei lauten Tätigkeiten. Ein geschädigtes Gehör ist nicht mehr zu reparieren. Ein Hörgerät bringt zwar sehr viel und macht den Alltag wieder erträglich, aber es wird nie mehr so wie es einmal war.


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Es existieren bisher nur relativ wenige Studien an Menschen, welche sich mit den Folgen von sozialer Distanzierung auf das Gehirn beschäftigt haben. Dennoch widmeten sich bereits mehrere Studienansätze den Folgen von sozialer Abgeschiedenheit bei bestimmten Populations- oder Berufsgruppen, wie zum Beispiel Astronauten oder Antarktisforschern. Diese Forschungsansätze erlauben es, gewisse Parallelen zu sehen und so Hypothesen hinsichtlich möglicher Folgen des aktuellen Vorgehens in der Corona-Krise zu generieren.

Dr. Kupferberg erläutert die komplexen Zusammenhänge in einem kurzen Video.

 


Soziale Abgeschiedenheit verändert die Konzentration der Hirnhormone und das Hirnvolumen

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Verarbeitung von akustischen Reizen eine der am anspruchsvollsten Aufgaben des Gehirns ist.

In einer aktuellen Hirnbildgebungsstudie werden die Ergebnisse einer Untersuchung beschrieben, in der neun Personen beobachtet wurden, die 14 Monate auf der isolierten deutschen Polarstation Neumeyer III in der Antarktis verbrachten (Stahn et al. 2019). Während der gesamten Zeit hatten sie den gleichen monotonen Wohn- und Arbeitsraum, und die sozialen Interaktionen waren auf eine kleine Gruppe von Menschen beschränkt. Neben den Daten aus der funktionellen Bildgebung, die vor und nach der Expedition gesammelt wurden, wurde bei den Teilnehmern während ihres Aufenthalts auf der Station die Konzentration eines Schlüsselproteins, des sogenannten Wachstumshormons „Brain Derived Neurotrophic Factor“ (BDNF), überwacht.

Seit seiner Entdeckung vor fast vier Jahrzehnten ist bekannt, dass der BDNF an der Differenzierung und dem Überleben von Nervenzellen des Zentralnervensystems (ZNS) beteiligt ist. In jüngerer Zeit hat sich BDNF auch als wichtiger Regulator der Synaptogenese (Bildung von neuen Nervenzellverbindungen) und der Neuroplastizität erwiesen, welche dem Lernen und Gedächtnis im erwachsenen ZNS zugrunde liegen (Cunha, Brambilla, and Thomas 2010). Es ist bekannt, dass chronischer Stress zu einer Abnahme der BDNF-Konzentration im Hippocampus, einer stressempfindlichen Hirnregion, führt, die auch eng mit der Pathophysiologie der Depression zusammenhängt (Zaletel, Filipović, and Puškaš 2017). Die Ergebnisse der oben beschriebenen Studie zeigten, dass nach der Expedition die Konzentration des BDNF im Gehirn der Forscher abgenommen hatte. Die Gehirnscans der Antarktisforscher ergaben, dass das Volumen des Hippocampus, einer für Lernen und Gedächtnis kritischen Hirnstruktur, bei den Teilnehmern der Studie sich deutlich verkleinert hatte. Als eine der wenigen Hirnregionen, die bis ins Erwachsenenalter Neuronen aussprossen lassen kann, „verdrahtet“ der Hippocampus unsere neuronalen Schaltkreise ständig neu, während wir lernen und neue Erinnerungen sammeln. Auch der rechte dorsolaterale präfrontale Kortex und der linke orbitofrontale Kortex wiesen mittlere Abnahmen der grauen Substanz auf. Die Autoren der Studie nehmen an, dass diese Ergebnisse die Folge von geringer Gehirnstimulation darstellen, da die Expeditionsteilnehmer über Monate hinweg mit nur wenigen ausgewählten Personen Kontakt hatten. Die Veränderungen im Gehirn, die im Antarktis-Team beobachtet wurden, sind den Beobachtungen bei Nagetieren ähnlich, die darauf hindeuten, dass längere Perioden sozialer Isolation zur Reduktion der BDNF-Serumkonzentration führen (Murínová et al. 2017; Scaccianoce et al. 2006) und die Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenzellen zu bilden, abschwächen (Stranahan, Khalil, and Gould 2006).

Kognitives Training kann das Gehirn verändern

Mit dem KOJ-Lerncomputer kann jeder Nutzer individuell nicht nur sein Gehör, sondern seine Kognition trainieren.

Normalerweise erhalten wir während der Arbeit oder bei sozialen Aktivitäten viele Gelegenheiten für kognitive Herausforderungen. Die tiefgreifenden Veränderungen in unserem Lebensstil aufgrund der sozialen Distanzierung wegen COVID-19 machen es notwendig, die Denkfähigkeit und Kognition gezielt und bewusst zu trainieren, wie es von Experten wie Dr. Amit Lampit und Dr. Alex Bahar-Fuchs von der Universität Melbourne, Australien, empfohlen wird.

Computerisiertes kognitives Training kann positive Effekte auf die Neuroplastizität des Gehirns während einer Isolation haben. Die Ergebnisse einer Studie an Parkinson-Patienten, die sich der kognitiven Rehabilitation unterzogen, deuten darauf hin, dass kognitives Training zu einem erhöhten Serum-BDNF-Spiegel im Vergleich zur Placebo-Gruppe führte (Angelucci et al. 2015). Eine andere Studie zeigt eine Verbesserung der kognitiven Funktionen und des BDNF-Serumspiegels nach 24 Sitzungen mit einem computergestützten kognitiven Training bei älteren Frauen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung sowie einen signifikanten Anstieg von BDNF im Blutserum (Damirchi, Hosseini, and Babaei 2018). Eine dritte Studie, an denen Patienten mit Schizophrenie teilnahmen, zeigt, dass sie nach 50 Stunden intensivem computergestütztem auditorischem Training einen erhöhten BDNF-Serumspiegel im Vergleich zu der Kontrollgruppe, die Computerspiele gespielt hat, aufwiesen (Fisher et al. 2016).

Zu beachten ist, dass bei Anwendung kommerzieller Hirntrainingsprodukte es notwendig ist, diese auf ihre wissenschaftlich erwiesene Wirkung zu überprüfen, was nur in placebokontrollierten Studien möglich ist. Studien mit diesen Produkten werden unsererseits gegenwärtig im Koj Hearing Research Center Zug in Kollaboration mit der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, der psychologischen Fakultät der Universität Zürich, der Uniklinik Köln, der Universität Fribourg und der Hamburg Medical School angestrebt und durchgeführt.


Referenzen

  • Angelucci, Francesco, Antonella Peppe, Giovanni A. Carlesimo, Francesca Serafini, Silvia Zabberoni, Francesco Barban, Jacob Shofany, Carlo Caltagirone, and Alberto Costa. 2015. “A Pilot Study on the Effect of Cognitive Training on BDNF Serum Levels in Individuals with Parkinson’s Disease.” Frontiers in Human Neuroscience 9.
  • Cunha, Carla, Riccardo Brambilla, and Kerrie L. Thomas. 2010. “A Simple Role for BDNF in Learning and Memory?” Frontiers in Molecular Neuroscience 3:1.
  • Damirchi, Arsalan, Fatemeh Hosseini, and Parvin Babaei. 2018. “Mental Training Enhances Cognitive Function and BDNF More Than Either Physical or Combined Training in Elderly Women With MCI: A Small-Scale Study.” American Journal of Alzheimer’s Disease and Other Dementias 33(1):20–29.
  • Fisher, Melissa, Synthia H. Mellon, Owen Wolkowitz, and Sophia Vinogradov. 2016. “Neuroscience-Informed Auditory Training in Schizophrenia: A Final Report of the Effects on Cognition and Serum Brain-Derived Neurotrophic Factor.” Schizophrenia Research: Cognition 3:1–7.
  • Murínová, Jana, Nataša Hlaváčová, Magdaléna Chmelová, and Igor Riečanský. 2017. “The Evidence for Altered BDNF Expression in the Brain of Rats Reared or Housed in Social Isolation: A Systematic Review.” Frontiers in Behavioral Neuroscience 11.
  • Scaccianoce, Sergio, Paola Del Bianco, Giovanna Paolone, Daniele Caprioli, Antonella M. E. Modafferi, Paolo Nencini, and Aldo Badiani. 2006. “Social Isolation Selectively Reduces Hippocampal Brain-Derived Neurotrophic Factor without Altering Plasma Corticosterone.” Behavioural Brain Research 168(2):323–25.
  • Stahn, Alexander C., Hanns-Christian Gunga, Eberhard Kohlberg, Jürgen Gallinat, David F. Dinges, and Simone Kühn. 2019. “Brain Changes in Response to Long Antarctic Expeditions.” The New England Journal of Medicine381(23):2273–75.
  • Stranahan, Alexis M., David Khalil, and Elizabeth Gould. 2006. “Social Isolation Delays the Positive Effects of Running on Adult Neurogenesis.” Nature Neuroscience 9(4):526–33.
  • Zaletel, Ivan, Dragana Filipović, and Nela Puškaš. 2017. “Hippocampal BDNF in Physiological Conditions and Social Isolation.” Reviews in the Neurosciences 28(6):675–92.

© Dr. Kupferberg, KHRC


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31/Mai/2020


Kognitives Training gegen psychische Folgen der sozialen Distanzierung

Die rasche Umsetzung der sozialen Distanzierung ist notwendig, um die Coronavirus-Kurve abzuflachen und eine Verschlimmerung der aktuellen Pandemie zu verhindern. Aber so wie der Coronavirus-Lockdown eine wirtschaftliche Rezession zu verursachen droht, wird er vermutlich auch zur „sozialen Rezession“ führen: zu einem Zusammenbruch der sozialen Netzwerke, der besonders hart für die Bevölkerungsgruppen ist, die am stärksten von Isolation und Einsamkeit betroffen sind – ältere Erwachsene und Menschen mit Behinderungen oder bereits bestehenden Gesundheitsproblemen und psychischen Störungen. Wenn immer strengere Massnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, warnen Experten für psychische Gesundheit davor, dass der Verlust der alltäglichen sozialen Verbindungen mit bedeutsamen psychologischen Kosten verbunden ist (Friedler, Crapser, and McCullough 2015). Und diese Kosten könnten steigen, je länger sich solche Massnahmen in die Länge ziehen.

 

Soziale Isolation ist für manche Menschen nicht neu

Obwohl eine Pandemie wie die Coronavirus-Pandemie ein extremer, seltener Zustand ist, ist die Art der Abgeschiedenheit, der die Menschen in den letzten Wochen begegnet sind, nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Auswirkungen der sozialen Isolation auf unseren Körper und Geist wurden bei einer Vielzahl von verschiedenen Menschengruppen bereits untersucht, von Astronauten bis hin zu Inhaftierten, von immungeschwächten Kindern bis hin zu Antarktisforschern. Doch muss man bedenken, dass depressive Symptome besonders intensiv gerade während der Isolation durch das Coronavirus auftreten können. Das ist dadurch bedingt, dass die Zeitspanne, in der man soziale Kontakte ausserhalb der Familie meiden sollen, im Moment nicht definiert werden kann, weil man nicht weiss, wie lang das erhöhte Risiko einer Ansteckung noch bestehen wird. Dagegen wissen viele Menschen, die z. B. in Einzelhaft gehaltenen werden oder in einer abgelegenen Region der Erde arbeiten, wann sie wieder in den Alltag zurückkehren können, sodass sie sich besser auf die Situation einstellen können.

 

Soziale Distanzierung und körperliche Gesundheit 

Soziale Isolation wird definiert als ein Zustand, in dem ein Individuum eine minimale Anzahl von sozialen Kontakten pflegt und das soziale Engagement mit anderen Menschen und der übrigen Gemeinschaft gering ist (Nicholson 2009). Einsamkeit verursacht Stress, und langfristiger oder chronischer Stress führt zu häufigeren Erhöhungen eines wichtigen Stresshormons, des Cortisols. Es ist auch mit einem höheren Entzündungsniveau im Körper verbunden. Dies wiederum schädigt die Blutgefässe und andere Gewebe und erhöht das Risiko von Herzkrankheiten, Diabetes, Gelenkerkrankungen, Depressionen, Fettleibigkeit und vorzeitigem Tod. Bei älteren Menschen scheint die soziale Isolation alle bereits bestehenden Krankheiten, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Hakulinen et al. 2018) bis hin zu Alzheimer, zu verschlimmern, aber ihre negativen Auswirkungen sind nicht nur auf die über 60-Jährigen beschränkt.

 

Abwesenheit von Interaktion ist Gift für geistige Fitness und mentale Gesundheit

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass starke soziale Verbindungen das Risiko eines kognitiven Abbaus verringern und den Ausbruch einer Alzheimer-Erkrankung verzögern können (Stern 2006; Szekely, Breitner, and Zandi 2007). Eine relativ neue systematische Übersichtsarbeit, die die Ergebnisse aus 51 Studien zusammenfasste, zeigte, dass geringe soziale Aktivitäten und kleinere soziale Netzwerke einen Risikofaktor für kognitive Verlangsamung (Evans et al. 2019) und Verschlechterung des Gedächtnisses (Hsiao, Chang, and Gean 2018; Read, Comas-Herrera, and Grundy 2020) im späteren Leben darstellen. Der soziale Umgang und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten ist kognitiv „herausfordernd“ und „aufwendig“ und stimulierend für das Gehirn. Gespräche mit anderen Menschen und Teilnahme an Gruppenaktivitäten führen zur Verbesserung der kognitiven Funktionen durch Schulung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie kognitiver Verarbeitungsgeschwindigkeit (Aartsen et al. 2002; Brown et al. 2016; Fratiglioni, Paillard-Borg, and Winblad 2004). Mangel an sozialer Interaktion verkleinert die Stimulation des Gehirns und führt einer Verringerung der kognitiven Reserve (Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen pathologische Veränderungen im Alter) und damit zu einem schnelleren kognitiven Rückgang (Evans, Llewellyn, et al., 2018). Abgesehen davon kann soziale Isolation auch zu anhaltendem psychischen Stress führen, der wiederum die kognitive Funktionsfähigkeit einschränken kann (Seeman et al. 2001). Auf der anderen Seite können auch geringere kognitive Reserven und ein kognitiver Rückgang zu einer erschwerten Kommunikation und damit zum Rückzug aus dem sozialen Leben führen  (Bennebroek Evertsz’ et al. 2017) und das Zurückkehren in das normale Gesellschaftsleben für ältere allein lebende Menschen erschweren, nachdem die Massnahmen für soziale Distanzierung gelockert oder aufgehoben sein werden.

Die Abwesenheit von Interaktion mit anderen gilt als Hauptursache für psychosozialen Stress, der zur erhöhten Prävalenz neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen beiträgt (Friedler et al. 2015). Soziale Isolation erhöht auch das Risiko von Morbidität und Mortalität sowie das Risiko des Auftretens vieler neuropsychologischer Störungen wie zum Beispiel Schizophrenie (Jiang, Cowell, and Nakazawa 2013) oder Manie (Gilman et al. 2015). Bei Nagetieren wurde wiederholt gezeigt, dass soziale Isolation zu einer Verschlechterung des Gedächtnisses führt (Leser and Wagner 2015).

 

Warum ältere Menschen besonders stark von der sozialen Isolation betroffen sind

Mit zunehmendem Alter erfährt man oft Einbussen in der Mobilität und die soziale Unterstützung schrumpft mit dem Tod von Freunden und Familie. Lokale Vereine, religiöse Gottesdienste und Zeit mit der Familie bringen soziale Struktur und Freude in das Leben vieler Menschen, aber sie sind besonders wichtige Anknüpfungspunkte für diejenigen, die aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustands nicht arbeiten oder nicht allein unterwegs sein können. Wenn ältere und kranke Menschen monatelang von sozialen Aktivitäten Abstand nehmen müssen, wird sich die Qualität ihres Lebens verschlechtern, und es wird ihnen schwerfallen, die alten Strukturen und Beziehungen wiederaufzubauen. Verlust der gewohnten Routine und verminderter sozialer und physischer Kontakt mit anderen Menschen führen häufig zu Langeweile, Frustration und einem Gefühl der Isolation vom Rest der Welt, wodurch Menschen verunsichert werden (Jeong et al. 2016; Taylor et al. 2008). Diese Frustration kann auch noch dadurch verstärkt werden, dass manche ältere Menschen sogar auf das Einkaufen der Lebensmittel aufgrund der Angst vor der Ansteckung verzichten (Hawryluck et al. 2004).

 

Kognitives Training stimuliert das Gehör und Gehirn und wirkt der geistigen Verlangsamung während der sozialen Isolation entgegen

Trotz der schweren Lage werden einige ältere Menschen mit der sozialen Distanzierung besser zurechtkommen als andere. Bei manchen werden vielleicht die sozialen Kontakte sogar zunehmen, wenn sich Freunde und Familie verstärkt um sie kümmern. Und manche Menschen bleiben durch Telefon- und Videoanrufe, SMS oder den Beitritt zu einer Online-Community in Verbindung.

Auch computerisiertes kognitives Training kann positive Effekte auf die kognitive Fitness während der Isolation haben und als Prävention eines kognitiven Rückgangs dienen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hat gezeigt, dass computerisiertes kognitives Training einen positiven Effekt auf die Depressionssymptome hat (Motter et al. 2016). In einer anderen Studie wurde kognitives auditorisches Training eingesetzt, um psychische Beschwerden von depressiven Patienten zu verringern und die Alltagsbewältigung und die kognitive Funktion zu verbessern (Preiss et al. 2013). Das Training wurde dreimal wöchentlich, jeweils 20 Minuten lang, acht aufeinander folgende Wochen lang durchgeführt. Eine zweite Gruppe von Patienten (Kontrollgruppe) erhielt nur die Standardbehandlung (Medikamente und psychologische Therapiesitzungen). Der Vergleiche zwischen den Gruppen nach dem Training zeigte, dass die Gruppe, die trainiert hat, ein signifikant reduziertes Depressionsniveau aufwies. Diese Gruppe zeigte auch signifikante Verbesserungen in Bereichen wie Aufmerksamkeit und der Bewältigung des Alltags.

In einer anderen Studie wurde der Effekt von kognitivem Training auf das Demenzrisiko bei 2.802 gesunden älteren Erwachsenen (im Durchschnitt 74 bis 84 Jahre alt) in den Vereinigten Staaten untersucht. Dazu wurden die Probanden 10 Jahre lang beobachtet (Edwards et al. 2017). Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in eine Kontrollgruppe oder eine von drei Interventionsgruppen eingeteilt, wobei verschiedene Arten von kognitivem Training eingesetzt wurden: 1) Training der Strategien für besseres Gedächtnis 2) Training der Strategien für bessere Argumentation 3) individualisiertes computergestütztes Training zur Verbesserung der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei allen Teilnehmern wurden zu Beginn der Studie, nach den ersten sechs Wochen und jeweils nach 1, 2, 3, 5 und 10 Jahren die kognitiven Fähigkeiten untersucht. Interessanterweise fanden die Forscher keinen signifikanten Unterschied im Demenzrisiko bei den Gruppen, die strategiebasiertes Gedächtnis- oder Argumentationstraining durchgeführt hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe. Jedoch zeigte die Gruppe, die computergestütztes Geschwindigkeitstraining  durchgeführt hatte, ein signifikant geringeres Risiko für Demenz im Vergleich zur Kontrollgruppe – im Durchschnitt eine 29-prozentige Risikoreduktion.

 

eLearning für zu Hause 

Die heutigen innovativen technologischen Werkzeuge im Bereich des E-Learnings und computerbasierten Gehirntrainings ermöglichen es, auf professionelle Art und Weise die kognitiven Fähigkeiten bequem von zu Hause aus zu trainieren und die kognitiven Reserven zu verbessern. Die fortschrittliche Technologie der Koj-Gehörtherapie wurde entwickelt, um die Leistung des Benutzers konsistent zu messen, und passt das Niveau und die Art der Aufgaben automatisch an seine Fähigkeiten und Bedürfnisse an. Die Koj-Gehörtherapie trainiert nicht nur das Sprachverstehen, sondern wichtige kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit, die für das alltägliche Leben und die Kommunikation vor allem bei älteren Menschen mit Hörproblemen entscheidend sind.

® Dr. A. Kupferberg, 04.2020


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31/Mai/2020

Das Tragen von Hörsystemen ist wichtig – aber gerade in den heutigen Tagen ist das häufige in die Stadt Pendeln und das persönliche Besuchen von Fachgeschäften zum einen ein Aufwand und zum anderen nicht nötig. KOJ versteht sich als Lieferant von modernster Spitzentechnologie und ist immer auf der Suche, nach dem Fortschritt.

In diesem Interview erklärt unser Ingenieur Herr Schmid und unsere liebe Gehörtherapeutin Frau Liechti, wie einfach Remote-Fitting funktioniert.

Das Tragen von Hörsystemen ist wichtig – aber gerade in den heutigen Tagen ist das häufige in die Stadt Pendeln und das persönliche Besuchen von Fachgeschäften zum einen ein Aufwand und zum anderen nicht nötig. KOJ versteht sich als Lieferant von modernster Spitzentechnologie und ist immer auf der Suche, nach dem Fortschritt.

Das Tragen von Hörsystemen ist wichtig – aber gerade in den heutigen Tagen ist das häufige in die Stadt Pendeln und das persönliche Besuchen von Fachgeschäften zum einen ein Aufwand und zum anderen nicht nötig. KOJ versteht sich als Lieferant von modernster Spitzentechnologie und ist immer auf der Suche, nach dem Fortschritt.

Zwei Besonderheiten haben wir für Sie erarbeitet: Zum einen haben wir exklusiv die neusten Hörsysteme des führenden amerikanischen Herstellers NuEar. Die mit zahlreichen internationalen Innovationspreisen ausgezeichnete Technik zählt zu den aktuell kleinsten hinter dem Ohr getragenen Hörsystemen. Die Funktionen gehen bereits weit über die eines typischen Hörsystems hinaus: Die neuen KOJ-Circa Hörsysteme haben mehrere Sensoren, mit denen die körperliche Fitness gemessen, oder im Fall eines Unglücks wie einem Sturz automatisch ein Notfall-Alarm ausgelöst werden kann. Zudem sind die Hörsysteme dank künstlicher Intelligenz in der Lage, über 20 Fremdsprachen zu übersetzen. Die KOJ-Circa Hörsysteme können mit verschiedensten Smartphones von Apple bis Android verbunden und sogar eigenhändig bis ins Detail gesteuert werden.

Als zweites dürfen wir Ihnen ganz kleine Im-Ohr-Hörsysteme vom Traditionshersteller Siemens empfehlen. Diese winzige Technik wird direkt “im” Gehörgang getragen und ist so von aussen (fast) unsichtbar.

Abgesehen vom brillanten Klang und einem tollen Design überzeugen diese Techniken durch eine bahnbrechende Neuerung: Dem Remote-Fitting. Dabei werden die Hörsysteme mit Ihrem Smartphone verbunden und Ihr Smartphone hat via Internet eine Verbindung zu unseren Gehörtherapeuten. Was auch immer Ihr Wunsch zur Anpassung oder Veränderung ist, wir können via Fernwartung Ihre Hörsysteme neu justieren und anpassen. Bequemer – und aktuell sicherer – geht es nicht.

… Probieren Sie es einfach gratis aus.


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31/Mai/2020

Ein Artikel von Deutsches Ärzteblatt.

Philadelphia – Jedes fünfte Kind, das nach der Korrektur eines angeborenen Herz­fehlers untersucht wurde, wies in einer Kohortenstudie im Journal of Pediatrics (2018; 192: 144–151.e1) Hörstörungen auf. Die genauen Ursachen sind unklar.

Hörstörungen bei Kindern sind in der Regel selten oder – wenn sie im Zusammenhang mit einer Mittelohrentzündung auftreten – meist vorübergehend. Es ist deshalb bemerkenswert, dass 55 von 348 Kindern (21,6 %), bei denen im Säuglingsalter am Children’s Hospital of Philadelphia die Korrektur eines Herzfehlers vorgenommen wurde, bei einer Nachuntersuchung im Alter von 4 Jahren eine Hörstörung aufwiesen. Die Prävalenz war etwa 20-fach höher, als normalerweise in diesem Alter zu erwarten gewesen wäre.

Wie Nancy Burnham und Mitarbeiter von Children’s Hospital of Philadelphia berichten, lag bei den meisten Kindern (12,4 %) zwar eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor, die Folge einer Infektion sein könnte. Doch bei immerhin 6,9 % der Kinder wurde eine Schallempfindungsschwerhörigkeit diagnostiziert, die ihre Ursache meist im Innenohr hat. Bei weiteren 2,3 % wurde die Hörstörung nicht näher bestimmt.

Warum so viele Kinder Hörstörungen haben, konnte Burnham nicht genau klären. Als mögliche Risikofaktoren ermittelte sie ein Gestationsalter von weniger als 37 Wochen, eine genetische Anomalie, die gleichzeitig zum Herzfehler und zu Hörstörungen führt, sowie eine längere postoperative Liegezeit im Krankenhaus. Die Lärmexposition auf der Intensivstation oder auch der Einsatz von Medikamenten könnte zur Hörstörung beigetragen haben, schreibt die akademisch weitergebildete Pflegekraft („Nurse practitioner“), die aufgrund der Ergebnisse zu audiologischen Untersuchungen bei allen Kindern rät.

Hörstörungen bei Kindern sind nämlich ein häufiger Grund für Störungen der vorschulischen und später schulischen Entwicklung. Tests ergaben, dass die Kinder mit Sprachstörungen Defizite in den Sprachfertigkeiten, der Kognition (IQ-Test), den exekutiven Funktionen und bei der Aufmerksamkeit aufwiesen. © rme/aerzteblatt.de


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31/Mai/2020

Obwohl die Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 weltweit weiter ansteigen und sich weltweit mehr als 120.000 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert haben, gibt es zwei gute Nachrichten:

Zum einen haben heute mit nur noch 8 neu nachgewiesenen Virusfällen Chinas Behörden erneut einen neuen Tiefstand der Infektionen seit dem Beginn der Epidemie gemeldet. Zum anderen haben sich weltweit 68.324 Patienten von der Infektion wieder erholt.

In diesem Video: Schauen Sie sich die Einschätzung und Kommentare von der Wissenschaftlerin Dr. Kupferberg zur Corona-Pandemie an. Sie klärt in diesem Interview über die aktuelle Sachlage auf und beantwortet Fragen, die an uns herangetragen wurden.

… Hier das Interview zum Nachlesen:

Wie gefährlich ist das neuartige Coronavirus?

Das derzeitige Verständnis darüber, wie dieses Virus COVID-19 verursacht, basiert auf dem, was wir über Coronaviren im Allgemeinen wissen. Das Virus ist genetisch eng mit dem SARS-CoV-1-Virus verwandt. SARS trat Ende 2002 in China auf und verursachte über 8 000 Infektionsfälle in 33 Ländern innerhalb von acht Monaten. Etwa jeder zehnte Mensch, der an SARS erkrankte, starb.

Der aktuelle COVID-19-Ausbruch verursachte im Monat nach den ersten Meldungen (Januar 2020) etwa 7 000 gemeldete Fälle in China, weitere 80 000 Fälle wurden im zweiten Monat (Februar 2020) weltweit gemeldet. Von den ersten 87 000 Infizierten starben etwa 3000. Sowohl COVID-19 als auch die saisonale Grippe wird durch Viren ausgelöst, beide Krankheiten werden von Mensch zu Mensch übertragen und führen zu ähnlichen Symptomen, jedoch sind die beiden Viren sehr unterschiedlich und verhalten sich nicht gleich. Es wird geschätzt, dass in der EU, im Vereinigten Königreich, in Norwegen, Island und Liechtenstein jährlich zwischen 15 000 und 75 000 Menschen vorzeitig an der saisonalen Grippe sterben. Das ist etwa 1 von 1 000 Menschen, die sich infiziert haben. Zum Vergleich: Die derzeitige geschätzte Sterblichkeitsrate für COVID-19 liegt bei 20 bis 30 pro 1 000 Menschen. Auch scheint es, dass Kinder weniger stark betroffen sind als bei der saisonalen Grippe. Die Besorgnis über COVID-19 resultiert daraus, dass es im Gegensatz zur Grippe keinen Impfstoff und keine spezifische Behandlung für die Krankheit gibt. Da es sich um ein neues Virus handelt, verfügt niemand über eine vorherige Immunität, was bedeutet, dass die gesamte menschliche Bevölkerung potenziell für eine Infektion mit COVID-19 anfällig ist.

Was sind die Symptome nach einer COVID-19-Infektion? Ist dieses Virus mit SARS oder der saisonalen Grippe vergleichbar? 

Das Virus kann milde grippeähnliche Symptome verursachen, wie z. B. Fieber, Husten, Atembeschwerden, Muskelschmerzen und Müdigkeit. In schwereren Fällen kommt es zu schwerer Lungenentzündung, akutem Atemnotsyndrom, Sepsis und septischem Schock, die zum Tod führen können. In 5% der Fälle kann das Virus eine schwere Lungenerkrankung verursachen, was den Einsatz eines Beatmungsgeräts erfordert. Die meisten Krankheitsverläufe sind aber mild und ähneln einer Erkältung der unteren Atemwege.

Wie leicht verbreitet es sich in einer Gemeinschaft?

Das Virus scheint sich leicht und nachhaltig zu verbreiten. Man geht davon aus, dass im Durchschnitt eine infizierte Person zwei weitere Personen infiziert, wenn sie sich nicht mit einfachen Präventivmassnahmen wie z. B. Handhygiene schützen. Es wurde auch berichtet, dass eine infizierte Person mehr als zwei Personen ansteckt, aber dieses scheint eher selten vorzukommen. Wie die Erkältung wird das Virus durch Atemtröpfchen verbreitet, die oft beim Husten, Niesen oder sogar beim normalen Ausatmen entstehen. Obwohl es Berichte gibt, dass sich Menschen nach Kontakt mit einer Person mit wenig bis gar keinen Symptomen (asymptomatisch) infiziert haben, geht man davon aus, dass dieser Übertragungsweg weniger häufig ist und Menschen am ansteckendsten sind, wenn sie starke Symptome haben. Das Virus kann auch mehrere Stunden auf Oberflächen wie Tischen und Türgriffen überleben. Man geht davon aus, dass COVID-19 ansteckender ist als die saisonale Grippe, aber dass das auslösende Virus viel weniger ansteckend ist als andere hoch ansteckende Viren wie Masern- oder Windpockenviren.

Gibt es einen Impfstoff gegen das Virus? Wie lange wird es dauern, einen Impfstoff zu entwickeln?

Derzeit gibt es keinen Impfstoff gegen menschliche Coronaviren, einschließlich des Virus, das COVID-19 verursacht. Deshalb ist es sehr wichtig, eine Infektion zu verhindern und die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Die Entwicklung von Impfstoffen braucht Zeit. Mehrere Pharmaunternehmen arbeiten an Impfstoffkandidaten: die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt derzeit 35. Viele der Impfstoffstudien werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, finanziell unterstützt. Es kann jedoch Monate oder Jahre dauern, bis ein Impfstoff auf breiter Basis eingesetzt werden kann, da er umfangreichen Tests unterzogen werden muss, um seine Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten.

Bin ich durch ein Paket oder Produkte, die aus China verschickt werden, dem Risiko einer Infektion ausgesetzt? 

Im Allgemeinen besteht aufgrund der schlechten Überlebensfähigkeit dieser Coronaviren auf der Oberfläche wahrscheinlich ein sehr geringes Risiko der Verbreitung über Produkte oder Verpackungen, die nach dem Versand über einen Zeitraum von Tagen oder Wochen bei Umgebungstemperaturen unterwegs sind. Gegenwärtig gibt es keine Beweise für die Übertragung des Virus, das COVID-19 verursacht, in Verbindung mit importierten Waren. Es ist noch vieles unbekannt über COVID-19 und seine Verbreitung. Wir wissen zwar nicht sicher, ob sich dieses Virus genauso wie das SARS- und MERS-Virus verhalten wird, aber wir können uns an den Informationen über diese beiden früheren Coronaviren orientieren.

Wie hoch ist das Risiko einer COVID-19-Infektion durch den Kontakt mit Haustieren und anderen Tieren?

Die aktuelle Forschung verbindet COVID-19 mit bestimmten Arten von Fledermäusen als ursprünglicher Quelle, schließt aber die Beteiligung anderer Tiere nicht aus. Mehrere Arten von Coronaviren können Tiere infizieren und auf andere Tiere und Menschen übertragen werden. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass Haustiere (z. B. Hunde oder Katzen) ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen. Als allgemeine Vorsichtsmassnahme ist es immer ratsam, grundlegende Prinzipien der Hygiene zu beachten, wenn man mit Tieren in Kontakt kommt.

Schützen Gesichtsmasken wirksam vor COVID-19?

Wenn Sie infiziert sind, kann die Verwendung von chirurgischen Gesichtsmasken das Risiko, dass Sie andere Menschen infizieren, verringern, aber es gibt keine Hinweise darauf, dass Gesichtsmasken Sie wirksam vor einer Infektion mit dem Virus schützen. Es ist sogar möglich, dass die Verwendung von Gesichtsmasken das Infektionsrisiko aufgrund eines falschen Sicherheitsgefühls und des verstärkten Kontakts zwischen Händen, Mund und Augen sogar noch erhöht.

Welche Personen sind am stärksten gefährdet? Was kann man tun, um sich zu schützen?

Das Virus gelangt über die Augen, die Nase und/oder den Mund in den Körper, daher ist es wichtig, dass Sie Ihr Gesicht nicht mit ungewaschenen Händen berühren. Das Waschen der Hände mit Wasser und Seife für mindestens 20 Sekunden oder die Reinigung der Hände mit alkoholischen Lösungen, Gels oder Tüchern wird insbesondere nach dem Schnäuzen, Husten oder Niesen oder nach dem Aufhalten an einem öffentlichen Ort empfohlen.

… Weitere Empfehlungen sind:

  1. Vermeiden Sie engen Kontakt mit kranken Menschen.
  2. Waschen Sie Ihre Hände häufig mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife.
  3. Wenn keine Seife und kein Wasser zur Verfügung stehen, verwenden Sie ein Handdesinfektionsmittel, das mindestens 60 % Alkohol enthält.
  4. Vermeiden Sie so weit wie möglich das Berühren von Oberflächen an öffentlichen Orten – zum Beispiel Fahrstuhlknöpfe, Türgriffe und Handläufe. Benutzen Sie ein Taschentuch oder Ihren Ärmel, um Ihre Hand oder Ihren Finger abzudecken, wenn Sie etwas berühren müssen.
  5. Waschen Sie Ihre Hände nach dem Berühren von Oberflächen an öffentlichen Orten.
  6. Vermeiden Sie Menschenansammlungen, insbesondere in schlecht belüfteten Räumen. Das Risiko einer Exposition gegenüber Atemwegsviren wie COVID-19 kann sich in überfüllten geschlossenen Räumen mit geringer Luftzirkulation erhöhen, wenn sich in der Menge erkrankte Menschen befinden.
  7. Vermeiden Sie alle nicht unbedingt notwendigen Reisen einschließlich Flugreisen und vermeiden Sie insbesondere das Einschiffen auf Kreuzfahrtschiffen. Das Risiko, sich in einem Flugzeug anzustecken, kann nicht ausgeschlossen werden, wird aber derzeit als gering für einen einzelnen Reisenden angesehen. Das Risiko, sich auf einem Flughafen anzustecken, ist ähnlich hoch wie an jedem anderen Ort, an dem viele Menschen zusammenkommen. Falls es möglich ist, verzichten Sie sogar auf Reisen mit Bus und Bahn, bzw. versuchen Sie, mindestens 1m Abstand zu den anderen Mitreisenden zu halten.
  8. Versuchen Sie, Orte zu vermeiden, wo sich kranke Menschen aufhalten könnten, wie z.B. Apotheken. Auch ist es ratsam, Besuche in einer Arztpraxis mit vollen Wartezimmern, vorübergehend zu vermeiden. Wenn möglich, versuchen Sie Ihre Fragen telefonisch zu klären.
  9. Hören Sie auf zu rauchen – es ist höchste Zeit!  Raucher laufen Gefahr, an wesentlich schwereren Lungenentzündungen durch den neuartigen Erreger Covid-19 zu erkranken als Nichtraucher.

Warum ist es gerade jetzt wichtig, dass auch gesunde und junge Menschen sich aktiv daran beteiligen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen?

Die Zahlen aus China, Südkorea und Italien deuten darauf hin, dass die Verbreitung des Virus exponentiell ist, das heißt, sie beschleunigt sich selbst. Deswegen werden immer strengere Auflagen verhängt, wie Absagen von Kongressen, Fußballspielen und Konzerten sowie Schließungen von Schulen und Universitäten. Obwohl in vielen Fällen ein milder Verlauf festzustellen ist, wird ein Teil der erkrankten Patienten eine intensivmedizinische Behandlung benötigen. Um unser Gesundheitssystem vor der Überlastung zu schützen, ist es wichtig, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.

Die Umsetzung von teilweise drastischen Massnahmen in China und Südkorea haben dazu geführt, dass beide Länder einen neuen Tiefstand der Infektionen seit Beginn der täglichen Berichte über die Pandemie vor sieben Wochen melden konnten. Auch der Zuwachs der Todesfälle war ebenfalls der niedrigste seit Wochen.

Die Gesundheitsbehörde in China hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass das Land den Höhepunkt der Coronavirus-Ausbreitung überschritten habe.

Wie stark muss man sich an die Empfehlung halten, Menschenansammlungen zu vermeiden und wie halte ich mich geistig anderweitig fit?

Am meisten sind chronisch kranke Personen und Menschen ab dem Alter von 60 Jahren betroffen und das höchste Risiko einer schweren Erkrankung oder des Todes besteht bei Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind. Für diese Personen wird empfohlen, Gruppenaktivitäten wie Flugreisen, Kinobesuche, Restaurantbesuchen, Seniorentreffs, Sportveranstaltungen, Familienfeiern, Einkaufen in überfüllten Einkaufszentren sowie den Besuch von Gottesdiensten zu vermeiden. Auch ist es ratsam, eher früher am Tag und unter der Woche einkaufen zu gehen, um Menschenmassen zu vermeiden.


Fazit Dr. Kupferberg

Dr. Kupferberg – Wissenschaftliche Leitung KHRC

Leider widerspricht diese Empfehlung, sich selbst von den Menschen zu isolieren, genau dem, was HNO-Ärzte den Patienten mit Schwerhörigkeit und Gedächtnisstörungen empfehlen – nämlich, dass man sich unter die Menschen begeben, an Sportveranstaltungen teilnehmen und gesellige Stammtischrunden besuchen soll. Um das Sprachverstehen, die Merkfähigkeit und die kognitive Fitness dennoch zu trainieren und geistig aktiv zu bleiben, ist es ratsam, ein kognitives Training, wie die Koj-Gehörtherapie, zu machen.


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Artikel zitiert von Alexander Freund /

Männer, Frauen und Kinder infizieren sich gleich häufig mit dem neuen Coronavirus. Aber die Folgen sind sehr unterschiedlich. Entscheidend sind das Alter, das Geschlecht und mögliche Vorerkrankungen.

Das neue Coronavirus wird sich in den kommenden Wochen und Monaten rasant ausbreiten und zwei Drittel der Bevölkerung werden sich infizieren. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern, wenn es wieder wärmer wird und die klassische Erkältungs- oder Grippezeit endet, so Christian Drosten, der führende Virologen von der Berliner Charité. Allerdings wird die Infektion bei den Meisten nur einen milden Verlauf nehmen. Diese Menschen werden im Herbst, wenn die nächste Erkältungswelle kommt, bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet haben.

Wieso müssen vor allem Ältere geschützt werden?

Gefährdet bleiben vor allem die Älteren, bei denen die Sterblichkeitsrate ab etwa 65 Jahren exponentiell steigt. In China beispielsweise liegt die Sterblichkeitsrate bei Infizierten bis 40 Jahren bei 0,2 Prozent, zwischen 70 und 79 Jahren liegt sie allerdings bereits bei 8 Prozent, ab 80 Jahren bei 14,8 Prozent.

Entsprechend müssen in den kommenden Wochen und Monaten besonders die Älteren geschützt werden, vor allem wenn sie unter Vorerkrankungen leiden (siehe Grafik). Diese Risikogruppe sollte Menschenansammlungen, Konzerte oder die vertrauten Vereinstreffen tatsächlich meiden.

Oma und Opa sollten definitiv nicht für die Betreuung der Enkel bei Quarantäne oder in ähnlichen Ausnahmesituationen eingesetzt werden. Stattdessen sollten Angehörige den Älteren die Einkäufe nach Hause bringen, damit sie unnötige Besuche im Supermarkt vermeiden können.

Welche Vorerkrankungen erhöhen das Risiko bei einer Corona-Infektion?

Fast alle Verstorbenen waren bereits vor ihrer Infektion mit dem Coronavirus krank. Gefährdet sind nach einer WHO-Analyse der Fälle in China vor allem ältere Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Chronischen Atemwegserkrankungen und Krebs.

Warum sind Männer häufiger als Frauen betroffen?

Nach WHO-Angaben sterben Männer deutlich häufiger als Frauen an SARS-CoV-2. Die Todesrate lag in China Mitte Februar für Männer bei 2,8 Prozent, für Frauen bei 1,7 Prozent. Eine ähnliche Verteilung gab es bereits 2003 beim SARS-Ausbruch in Hongkong. Und selbst eine normale Grippe trifft Männer gewöhnlich härter als Frauen.

Im Vergleich ist das weibliche Immunsystem widerstandsfähiger als das der Männer. Verantwortlich ist vor allem das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, das das Immunsystem anregt und so schneller und massiver gegen Krankheitserreger ankämpft. Das männliche Testosteron dagegen hemmt das Immunsystem.

Außerdem gibt es “genetische Gründe”, so der molekulare Virologe Thomas Pietschmann gegenüber der DW. Grund sei, dass “einige immunrelevante Gene, beispielsweise Gene, die dafür verantwortlich sind, Erreger zu erkennen, auf dem X-Chromosom kodiert werden”. Weil Frauen zwei X-Chromosomen besitzen und Männer nur eines, sind Frauen hier im Vorteil.

Neben der genetischen Disposition ist aber auch der Lebenswandel ausschlaggebend. Männer leben oftmals ungesünder als Frauen, in China zum Beispiel rauchen rund 52 Prozent aller Männer, aber nicht mal drei Prozent aller Frauen. Eine durch das Rauchen geschwächte Lunge ist eben anfälliger für Atemwegsinfektionen.

Warum sind Kinder weniger gefährdet?

Beim neuartigen Coronavirus zählen Kinder überraschenderweise nicht zu den Schwächsten der Gesellschaft – entsprechend sind bisher auch keine Kinder unter den Todesopfern.

Natürlich stecken sich auch Kinder mit dem Virus an, sie werden allerdings nicht krank oder zeigen nur leichte Symptome. Woran das liegt, ist noch nicht abschließend geklärt. Mediziner nehmen an, dass bei Kleinkindern das bereits angeborene “unspezifische System” wirkt.

Als Schutz vor den ersten Krankheitserregern übergibt die Mutter bereits dem Fötus und später dem Neugeborenen über die Muttermilch ihren eigenen spezifischen Immunschutz. Zu dieser angeborenen Immunabwehr gehören beispielsweise Fress- und Killerzellen – das sind weiße Blutkörperchen, die alle Krankheitserreger angreifen, die über die Schleimhäute oder die Haut in den Körper eindringen.

Diese “passive Immunisierung” reicht gewöhnlich, bis Kinder ihr eigenes Abwehrsystem aufgebaut haben. Bis etwa zum 10. Lebensjahr entwickeln Kinder ihre spezifische Immunabwehr. Und auch danach bleibt ihr Abwehrsystem das ganze Leben lang lernfähig, wenn neue Krankheitserreger auftauchen.


Dr. A. Kupferberg, Wissenschaftliche Leitung

Fazit Dr. Kupferberg

Am meisten sind chronisch kranke Personen und Menschen ab dem Alter von 60 Jahren betroffen und das höchste Risiko einer schweren Erkrankung oder des Todes besteht bei Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind. Für diese Personen wird es empfohlen, Gruppenaktivitäten wie Flugreisen, Kinobesuche, Familienfeiern, Einkaufen in überfüllten Einkaufszentren sowie den Besuch von Gottesdiensten zu vermeiden. Auch ist es ratsam, eher früher am Tag und unter der Woche einkaufen zu gehen, um Menschenmassen zu vermeiden. Leider wiederspricht diese Empfehlung, sich selbst von den Menschen zu isolieren, genau dem, was HNO-Ärzte den Patienten mit Schwerhörigkeit und Gedächtnisstörungen empfehlen – nämlich, dass man sich unter die Menschen begeben soll, an Sportveranstaltungen teilnehmen und gesellige Stammtischrunde besuchen soll. Um das Sprachverstehen, die Merkfähigkeit und die kognitive Fitness dennoch zu trainieren und geistig aktiv zu bleiben, ist es ratsam, ein kognitives Training, wie die Koj-Gehörtherapie, zu machen.

 


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31/Mai/2020

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