Neuste Studie zeigt Verbesserung des Sprachverstehens durch Gehörtraining zu Hause

22. Juni 2018 by Andreas Koj
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Vor knapp 2 Wochen erschien in der Zeitschrift „Geriatrics & Gerontology International“ eine Studie, die zeigt, dass selbst ein einfaches auditorisches Training, also ein Gehörtraining, mit mobilen Geräten zur Verbesserung des Sprachverstehens führt (1).

Die weit verbreitete Altersschwerhörigkeit hat selten mit einer alleinigen Funktionsstörung der Ohren zu tun. Problematisch ist, dass die wenigen noch erzeugten Signale auch schlecht weitergeleitet werden und die Verschaltungen in der Grosshirnrinde verkümmern. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass eine Hörminderung gar nicht nur die Ohren betrifft, sondern auch das Gehirn.

Gutes Hören ist „multimodal“, das heisst, es umfasst verschiedene Fähigkeiten:

Wir können unterscheiden, woher ein Laut kommt. Dafür müssen beide Ohren gut hören (auditive Lokalisation).
Wir können ein Sprachsignal aus verschiedenen Nebengeräuschen und Gesprächen von anderen Personen herausfiltern (auditive Selektion).
Wenn zwei unterschiedliche Wörter gleichzeitig auf unsere beiden Ohren treffen, werden sie voneinander unabhängig verarbeitet (auditive Trennung).
Wir können ähnlich klingende Schallereignisse voneinander unterscheiden (auditive Differenzierung).
Wir können aus Wörtern Einzellaute heraushören (auditive Analyse).
Wir können uns gehörte Information für die bewusste Verarbeitung kurzfristig oder langfristig merken (auditives Gedächtnis).

Dieses Fähigkeiten sind kognitive Verarbeitungsprozesse und finden primär im Gehirn statt – und nicht in den Ohren.

Das Koj-Institut trainiert alle diese Bereiche. Immer mehr Studien belegen, dass ein regelmässiges computerbasiertes Training dieser „multimodalen Fähigkeiten“ das Sprachverstehen bei Nebengeräuschen, die Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächtnis nachhaltig verbessert (2,3). Selbst nach 12 Monaten waren die positiven Effekte eines „multimodalen Trainings“ auf das Gedächtnis bei Personen im Alter von 65 bis 75 Jahren deutlich nachweisbar (4). Weiterhin wurde im Gehirn die für die Altersschwerhörigkeit typische neuronale Zeitverzögerung rückgängig gemacht (5).

Im Gegensatz zu Kindern, die ein Cochleaimplantat bekommen haben, wird ein auditorisches Training bei erwachsenen Personen von den Krankenkassen leider nicht mehr übernommen. Seit Jahren setzen wir uns dafür ein, dass bei den zuständigen Stellen ein Umdenken und Einlenken erfolgt – aber dafür brauchen wir die Unterstützung der Betroffenen. So bitten wir Sie darum, dass Sie Ihre Erfahrungen mit unserem Lernprogramm an Andere weitergeben. Ich darf Walter Fisch zitieren: „Tue Gutes und rede darüber.“

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Quellenangaben:

1. Yu J, Jeon H, Song C, Han W. Speech perception enhancement in elderly hearing aid users using an auditory training program for mobile devices. Geriatr Gerontol Int (2017) 17:61–68. doi:10.1111/ggi.12678

2. Anderson S, White-Schwoch T, Choi HJ, Kraus N. Training changes processing of speech cues in older adults with hearing loss. Front Syst Neurosci (2013) 7:97. doi:10.3389/fnsys.2013.00097

3. Smith GE, Housen P, Yaffe K, Ruff R, Kennison RF, Mahncke HW, Zelinski EM. A Cognitive Training Program Based on Principles of Brain Plasticity: Results from the Improvement in Memory with Plasticity-based Adaptive Cognitive Training (IMPACT) Study. J Am Geriatr Soc (2009) 57:594–603. doi:10.1111/j.1532-5415.2008.02167.x

4. Cheng Y, Wu W, Feng W, Wang J, Chen Y, Shen Y, Li Q, Zhang X, Li C. The effects of multi-domain versus single-domain cognitive training in non-demented older people: a randomized controlled trial. BMC Med (2012) 10:30. doi:10.1186/1741-7015-10-30

5. Anderson S, White-Schwoch T, Parbery-Clark A, Kraus N. Reversal of age-related neural timing delays with training. Proc Natl Acad Sci U S A (2013) 110:4357–4362. doi:10.1073/pnas.1213555110

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