Gift für nicht nur für unsere Leber: Schadstoffe und Alkohol schädigen auch Ihr Ohr (Teil 3)

4. Dezember 2018 by Andreas Koj
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Umweltgifte für das Gehör

In unserer Reihe „Medikamente, Rauchen, Alkohol und Umweltgifte – so schütze ich mein Gehör“ erfahren Sie alles über Substanzen, die auf Ihr Ohr schädigend wirken und im schlimmsten Fall zur Schwerhörigkeit und sogar zum Hörverlust führen können. Heute informieren wir Sie über die Gefahren des Alkoholkonsums.

Gift für nicht nur für unsere Leber: Schadstoffe und Alkohol schädigen auch Ihr Ohr

Jeder von uns ist sich der offensichtlichen Risiken bewusst, die mit übermässigem Alkoholkonsum verbunden sind. Durchblutungsstörungen und Gefässschäden durch dauerhaften Missbrauch von Alkohol sind schädlich für den gesamten Organismus und auch für die sensiblen Sinnesorgane im Innenohr. Aber wahrscheinlich sind Ihnen einige der weniger bekannten Nebenwirkungen des Alkoholkonsums nicht bekannt. Über diese möchten wir Sie heute aufklären.

Übermässiger Alkoholkonsum führt zu einer toxischen Umgebung im Innenohr. Die Gifte aus dem Alkohol schädigen und zerstören die Haarsinneszellen, die für die Schallaufnahme unerlässlich sind (Upile u. a., 2007). Besonders die Haarzellen, die durch niedrige Schallfrequenzen aktiviert werden, sind betroffen. Leider sind genau diese Frequenzen für das Sprachverstehen am wichtigsten. Eine alkoholbedingte Schwerhörigkeit wird auch als „Cocktailtaubheit“ bezeichnet. Zwar haben Studien ergeben, dass sich die Hörfähigkeit wieder normalisiert, sobald der Alkoholkonsum unterlassen wird, dennoch vermuten die Forscher, dass häufige Episoden eines alkoholbedingten Hörverlustes zu bleibenden Schäden führen.

Studien haben zudem gezeigt, dass ein hoher Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum zu einer Schädigung der zentralen Hörrinde des Gehirns führen kann. Da sich die Schädigungen der Hörnerven summieren, können auch mässige Trinker Nervenschäden und Hörverlust erleiden. Auch wenn die Ohren noch einwandfrei funktionieren, ist das Gehirn nicht mehr in der Lage, Geräusche zu verarbeiten. Die Folge: Hörverlust. Deutsche Forscher haben das in einer Studie nachgewiesen. Sie haben sowohl starke Trinker als auch Menschen untersucht, die nur gelegentlich in sozialen Situationen einen Wein oder ein Bier trinken (Smith & Riechelmann, 2004). Die Ergebnisse zeigten, dass übermässiger Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum die zentrale Hörrinde schädigt und die Zeit für die Schallverarbeitung deutlich verlängert. Das bedeutet, dass es Betroffenen schwerfällt, Menschen zuzuhören, die schnell sprechen, oder in Umgebungen mit viel Hintergrundgeräuschen einem Gespräch zu folgen.

Dass Trinken Probleme mit dem Gleichgewicht verursachen kann, hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass das Volumen und die Zusammensetzung der Flüssigkeit im Innenohr vom Alkohol beeinflusst werden kann. So wird Alkohol in die Flüssigkeit des Innenohres aufgenommen und bleibt dort länger vorhanden als im Blut. Dies kann zu Schwindel und räumlicher Desorientierung lange nach dem Alkoholgenuss führen. Ausserdem kann der Schwindel, den man erlebt, wenn man zu viel getrunken hat, von Tinnitus begleitet werden. Dieser tritt dann auf, wenn Alkohol die Blutgefässe anschwellen lässt, was zu einem grösseren Blutfluss im Innenohr führt. Obwohl dieser Zustand nicht lebensbedrohlich ist und sich oft innerhalb weniger Stunden auflöst, kann er sehr belastend sein.

Wenn Sie einen alkoholbedingten Hörverlust vermeiden wollen, halten Sie Ihren Alkoholkonsum auf einem vernünftigen Niveau. Und ein Gläschen Wein zum Abendessen darf auch mal sein. Denn interessanterweise kann ein mässiger Konsum von Wein zumindest bei Frauen das Risiko eines Hörverlustes verringern (Curhan, Eavey, Wang, Stampfer, & Curhan, 2015).

 

 

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– Curhan, S. G., Eavey, R., Wang, M., Stampfer, M. J., & Curhan, G. C. (2015). Prospective study of alcohol consumption and self-reported hearing loss in women. Alcohol (Fayetteville, N.Y.), 49(1), 71–77. https://doi.org/10.1016/j.alcohol.2014.10.001

– Smith, E. S., & Riechelmann, H. (2004). Cumulative lifelong alcohol consumption alters auditory brainstem potentials. Alcoholism, Clinical and Experimental Research, 28(3), 508–515.

– Upile, T., Sipaul, F., Jerjes, W., Singh, S., Nouraei, S. A. R., El Maaytah, M., … Wright, A. (2007). The acute effects of alcohol on auditory thresholds. BMC Ear, Nose, and Throat Disorders, 7, 4. https://doi.org/10.1186/1472-6815-7-4

 

In dieser Reihe ist bereits erschienen: 

» Teil 1: Wie Medikamente zum Hörverlust führen
» Teil 2: Rauchen erhöht das Risiko einer Schwerhörigkeit

Die nächsten Newsletter behandel: 

» Teil 4: Wie Sie Ihr Gehör schützen können

 

© KOJ hearing research center, Dr. Alexandra Kupferberg