Hörgerät senkt Risiko für Demenz, Depression und Stürze

10. September 2019 by Alexandra Kupferberg
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Beitrag zitiert von Aponet.de

 

Wer seine Schwerhörigkeit ignoriert, hat laut einer neuen Studie der Universität Michigan in den USA ein höheres Risiko, in den nächsten drei Jahren zu stürzen oder an Demenz, Depression oder einer Angststörung zu erkranken.

In der Studie zeigte sich auch, dass selbst unter den krankenversicherten Studienteilnehmern mit diagnostiziertem Hörverlust nur zwölf Prozent tatsächlich ein Hörgerät bekamen, Männer (13,3 Prozent) etwas häufiger als Frauen (11,3 Prozent). Bei der Betrachtung der folgenden drei Jahre nach der Diagnose “Hörverlust”, fanden die Forscher klare gesundheitliche Unterschiede zwischen denjenigen, die ein Hörgerät benutzten und denjenigen, die ihre Schwerhörigkeit nicht behandeln ließen: Das Risiko, innerhalb dieser Zeit an Demenz oder der Alzheimer-Krankheit zu erkranken, war bei Hörgeräteträgern 18 Prozent niedriger. Das Risiko für Depressionen oder Angstzustände war um elf Prozent reduziert und das für behandlungsbedürftige sturzbedingte Verletzungen war 13 Prozent niedriger.

Die Gründe hierfür könnten im Verlust von sozialen Interaktionen, der Unabhängigkeit, des Gleichgewichts und einer geringeren Stimulation des Gehirns liegen. Einige Forscher glauben, dass fehlende Signale vom Ohr an das Gehirn und der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit miteinander zusammenhängen und Teil desselben Alterungsprozesses sein könnten.

Die Ergebnisse stammen aus einer Auswertung von Versicherungsdaten von fast 115.000 Personen ab 66 Jahren aus den Jahren 2008 und 2016. Dr. Elham Mahmoudi, Gesundheitsökonomin in der Abteilung für Familienmedizin der Universität Michigan, sagte: “Obwohl nicht behauptet werden kann, dass Hörgeräte diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen komplett verhindern, könnte bereits eine Verzögerung des Ausbruchs von Demenz, Depression und Angstzuständen sowie das Risiko schwerer Stürze für den Patienten sehr bedeutsam sein.


 

Dr. A. Kupferberg, Wissenschaftliche Leitung

Fazit Dr. Kupferberg: Stürze bei älteren Menschen gehören zu den häufigsten Unfällen in Deutschland. Jeder dritte über 60-Jährigen noch selbständig lebenden Senioren stürzt einmal im Jahr und in der Altersgruppe der 90- bis 99-Jährigen sind es mehr als die Hälfte. Gerade im hohen Alter koennen die Folgen von Stürzen schwer sein: jedes Jahr kommt es zu 250.000 Knochenbrüchen. Stürze können mit einfachen Präventionsmaßnahmen, wie etwa Hörgeräten und kombiniertem Hörtraining, verhindert werden. Doch eine frühzeitige Versorgung ist wichtig, weil mit der Zeit das Gehirn sich immer schlechter regenerieren kann. Je besser das Sprachverstehen vor der Intervention ist, desto schneller zeichnen sich Fortschritte ab.