Gesund altern – Wie das Demenz-Risiko verringert

Forschung und Wissen

Entdeckung der präventiven Wirkung von Hörgeräten auf Demenz: Eine neu veröffentlichte Studie unterstreicht den signifikanten Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und dem Risiko, an Demenz zu erkranken. Die Nichtnutzung von Hörgeräten kann weitreichende Folgen für die kognitive Gesundheit haben, insbesondere bei älteren Menschen. Die präventive Anwendung von individuellen Hörgeräten im Falle einer Hörminderung könnte somit ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Demenzerkrankungen sein, indem sie das Risiko senken, an dieser ernsten und bislang unheilbaren Krankheit zu leiden.

Frankfurt (Deutschland). Demenz und Schwerhörigkeit sind zwei Zustände, die insbesondere im höheren Alter auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Sie werden oft separat betrachtet, jedoch zeigt eine aktuelle Forschung auf, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen beiden geben könnte. Eine in The Lancet Public Health veröffentlichte Studie wirft Licht auf die Möglichkeit, dass Hörgeräte als vorbeugende Maßnahme gegen die Entwicklung von Demenz dienen können, indem sie dem Hörverlust, einem der Risikofaktoren für diese Erkrankung, entgegenwirken. Auch eine zweite große Studie in Australien hat belegt, dass die Hörgeräteversorgung in direktem Zusammenhang mit dem Erhalt der kognitiven Fähigkeiten steht.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um die ersten beiden Verlaufsstudien mit Überprüfungen. Die Forschung in diesem Bereich ist von entscheidender Bedeutung, da sowohl Schwerhörigkeit als auch Demenz weit verbreitet sind und eine große Anzahl von Menschen betreffen. Es ist bemerkenswert, dass viele der von Schwerhörigkeit Betroffenen kein Hörgerät tragen, was die Risiken für die kognitive Gesundheit erhöht. Diese Erkenntnisse können nicht nur das Verständnis für die Entstehung von Demenz vertiefen, sondern bieten auch neue Ansätze und Hoffnung für präventive Strategien und Interventionen.

In diesem Kontext soll auch die Bedeutung anderer Umstände, die das Demenzrisiko erhöhen können, wie psychischer Stress und Ernährung, betrachtet werden. Eine integrative Perspektive ist unerlässlich, um die multifaktoriellen Ursachen und die prophylaktischen Möglichkeiten bei Demenz zu verstehen.

Demenz und Schwerhörigkeit stehen in Verbindung

Die Beziehung zwischen Schwerhörigkeit und Demenz wird durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse immer deutlicher. Eine kürzlich durchgeführte Studie hat belegt, dass Menschen, die an Schwerhörigkeit leiden, ein um 42 Prozent höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken, im Vergleich zu denjenigen ohne Hörbeeinträchtigung. Forschende argumentieren, dass dies auf die Isolation und den daraus resultierenden Mangel an kognitiver Stimulation zurückzuführen sein könnte, die oft mit einem Hörverlust einhergehen. Diese Entdeckung stellt einen bedeutenden Schritt in der Erforschung der multifaktoriellen Ursachen von Demenzerkrankungen dar und hebt die Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen und Früherkennung von Schwerhörigkeit hervor.

Hinsichtlich dieser Erkenntnisse wird das Potenzial von Hörgeräten als präventive Werkzeuge gegen Demenz zunehmend erkennbar. Der Gebrauch von Hörgeräten könnte somit nicht nur die Lebensqualität der betroffenen Personen erheblich verbessern, sondern auch langfristig zur Prävention von kognitivem Verfall und Demenz beitragen.

Verbreitung von Schwerhörigkeit und Hörgerätenutzung

Schwerhörigkeit ist in der älteren Bevölkerung weit verbreitet und ihre Prävalenz nimmt mit zunehmendem Alter zu. Laut der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC) erlebt bereits jede dritte Person im Alter von 65 Jahren auf beiden Ohren Schwerhörigkeit. Das Bewusstsein für diese Erkrankung und ihre potenziellen Auswirkungen ist jedoch oftmals nicht ausreichend vorhanden und viele Menschen verzichten auf die Nutzung von Hörgeräten, obwohl diese ihre Lebensqualität erheblich verbessern könnten.

In diesem Zusammenhang ist es bedenklich, dass von etwa 5,4 Millionen schwerhörigen Menschen in Deutschland nur circa 3,7 Millionen verschiedene Hörgeräte nutzen. Der Mangel an angemessener Hörunterstützung kann nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, indem er die Verständigung erschwert und zu sozialer Isolation führt, sondern auch schwerwiegende Folgen für die psychische Gesundheit haben. Das Verständnis und die Akzeptanz der Bedeutung von Hörgeräten sind somit entscheidende Elemente im Kampf gegen die weitreichenden Folgen von Schwerhörigkeit.

Hörgeräte als präventive Massnahme

Die klare Evidenz, dass Hörgeräte als präventive Maßnahme gegen Demenz wirken können, verdeutlicht die immense Bedeutung der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Hörverlust. Es wurde festgestellt, dass Personen, die Hörgeräte tragen, ein ähnlich niedrigeres Risiko für Demenz aufweisen wie Menschen ohne Hörbeeinträchtigungen. Dementsprechend könnte der Einsatz von Hörgeräten eine Schlüsselstrategie sein, um das Risiko für kognitiven Verfall und Demenz zu senken, insbesondere bei Menschen, die bereits Anzeichen von Hörverlust zeigen. Diese prophylaktischen Maßnahmen könnten letztlich dazu beitragen, die Prävalenz von Demenzerkrankungen zu reduzieren und das Leben vieler älterer Menschen erheblich zu verbessern.

Der Einfluss von Hörgeräten auf die Verringerung der Demenzrisiken unterstreicht die Notwendigkeit, den Zugang zu und die Nutzung von Hörgeräten zu fördern. Eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung über die Vorteile und die Notwendigkeit von Hörgeräten, insbesondere bei älteren Menschen, kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und die Akzeptanz dieser Hilfsmittel zu erhöhen. In Kombination mit regelmäßigen Hörtests und Anpassungen der Hörgeräte können diese Maßnahmen die Lebensqualität verbessern und langfristige gesundheitliche Vorteile bringen.

Einfluss weiterer Faktoren auf Demenz

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Neben Schwerhörigkeit existieren zahlreiche andere Umstände, die das Risiko, an Demenz zu erkranken, beeinflussen können. Dauerhafter Stress und bestimmte Ernährungsmuster, beispielsweise ein hoher Konsum von Fruktose, sind ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen assoziiert. Eine Studie der Universität in Colorado illustriert den Zusammenhang zwischen Fruktosekonsum und der Entstehung von Demenz und unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung als präventive Maßnahme. Es ist essenziell, das Bewusstsein für solche beeinflussbaren Risikofaktoren zu schärfen, um vorbeugende Strategien zu entwickeln und die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Demenz zu verringern.

In Deutschland leiden, Stand 2022, 1,6 Millionen Menschen an Demenz, und die Integration verschiedener präventiver Ansätze könnte wesentlich dazu beitragen, diese Zahl zu reduzieren. Es ist wichtig, dass sowohl die medizinische Gemeinschaft als auch die Öffentlichkeit die vielfältigen Ursachen von Demenz verstehen und ganzheitliche Strategien zur Risikominderung anwenden. Hierbei spielt die individuelle Lebensweise eine entscheidende Rolle, und die Modifikation bestimmter Lebensgewohnheiten, wie Ernährung und Stressmanagement, kann maßgeblich zur Verringerung des Demenzrisikos beitragen.

Der multidimensionale Ansatz zur Prävention von Demenz erfordert eine Kombination aus regelmäßigen medizinischen Untersuchungen, einer gesunden Lebensweise und, wie neuere Forschungsergebnisse nahelegen, der Anwendung von Hörgeräten bei Schwerhörigkeit. Eine solche integrative Strategie könnte einen erheblichen positiven Einfluss auf die Lebensqualität älterer Menschen haben und das Risiko für kognitiven Verfall und Demenzerkrankungen erheblich mindern.

Von der Diagnose zum Hörgerät

Der Prozess der Hörgeräteanpassung und Beantragung ist ein kritischer Schritt für Menschen, die unter Schwerhörigkeit leiden. Grundsätzlich rät die WHO zu einem regelmäßigen Hörscreening, aber spätestens bei Verdacht auf einen Hörverlust ist es empfehlenswert, zunächst zeitnah einen HNO-Arzt oder -Ärztin aufzusuchen. Diese können eine Schwerhörigkeit feststellen und ein Hörgerät verordnen, das je nach Bedarf individuell angepasst werden kann. Die ärztliche Verordnung ist der erste Schritt, um ein passendes Hörgerät zu erhalten und somit präventiv gegen potenzielle, durch Schwerhörigkeit bedingte Erkrankungen wie Demenz, vorzugehen. Leider vergehen vom Zeitpunkt der merklichen Hörminderung bis zur aktiven Hörgerätenutzung im Schnitt vier Jahre. Dabei könnten im Zuge eines ganzheitlichen Ansatzes Hörtests in Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen aufgenommen werden.

Durch eine individuelle Beratung und Anpassung durch Hörgeräteakustikerinnen und -akustiker wird sichergestellt, dass Betroffene das für sie am besten geeignete Hörgerät erhalten. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die richtige Auswahl und Anpassung des Hörgeräts entscheidend für den Therapieerfolg und die Verbesserung der Lebensqualität sind. Die Möglichkeit, verschiedene Hörgeräte zu erproben und zu testen, ermöglicht es den Betroffenen, das passende Modell zu finden und somit ihre Hörkapazität und Lebensqualität optimal zu verbessern. Das intakte Zusammenspiel von Gehör und Gehirn ist essentiell wichtig, um Informationen korrekt verarbeiten zu können.