Umorganisation des Gehirns bei Gehörverlust könnte Demenz Vorschub leisten

alone-513525_640.jpg
31/Mai/2020

Ein Beitrag von Deutsches Ärzteblatt.

Bochum – Wird im Alter das Gehör schlechter, reagiert das Gehirn darauf mit einem Umbau, der das Gedächtnis beeinträchtigen kann. Das berichten Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in der Zeitschrift Cerebral Cortex (DOI 10.1093/cercor/bhaa061).

Einer Hörminderung und einem damit verbundenem kognitivem Abbau kann erfolgreich entgegengewirkt werden.

Die Forscher untersuchten für die Studie eine spezielle Gruppe von Mäusen, die zwar mit einem intakten Hörvermögen geboren werden, jedoch durch einen angeborenen Gendefekt einen allmählichen Hörverlust erleiden, der dem der Altersschwerhörigkeit beim Menschen ähnelt. Sie analysierten die Dichte der für die Gedächtnisbildung relevanten Botenstoff­rezeptoren im Gehirn der Tiere und verglichen die Ergebnisse mit den Gehirnen von gesunden Mäusen. Sie erforschten außerdem, inwieweit die Informationsspeicherung im wichtigsten Gedächtnisorgan des Gehirns, dem Hippocampus, beeinflusst wird.

„Wir beobachteten, dass 2 bis 4 Monate postnatal eine Zunahme der kortikalen und hippokampalen Expression von sogenannten GluN2A- und GluN2B-Untereinheiten des N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptors im Vergleich zu Kontrollmäusen ohne sensorische Defizite auftrat“, berichten die Forscher. Darüber hinaus war die Expression von GABA und des metabotropen Glutamat-Rezeptors signifikant verändert. Die synaptische Plastizität des Hippocampus war stark beeinträchtigt, und die Mäuse wiesen signifikante Defizite im räumlichen Gedächtnis auf.

Diese Daten zeigten, dass während der Anpassung des Gehirns an den zunehmenden Hörverlust die Expression plastizitätsbedingter Neurotransmitter im Kortex und Hippocampus stark verändert ist. Es sei deutlich, dass ein zunehmender sensorischer Verlust die Funktion des Hippocampus deutlich beeinträchtige, so die Forscher.

„Unsere Ergebnisse bieten neue Einblicke in die mutmaßliche Ursache für den Zusammenhang zwischen kognitivem Verfall und altersbedingtem Hörverlust bei Menschen“, erläutert Denise Manahan-Vaughan aus der Abteilung für Neurophysiologie der RUB. © hil/aerzteblatt.de

Ein med. Gehörtraining kann einen entscheidenden Beitrag leisten, die kognitive Leistungsfähigkeit zu erhalten. Mehr Info auf www.khrc.info


Bildschirmfoto-2020-05-13-um-12.05.10.png
31/Mai/2020

Ein Artikel von Emil Wallimann, Zeitschrift LEBENDIG 04-2020.


Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage, ob ich mal einen Fachartikel schreiben könnte betreffend Umgang als Dirigent mit Mitgliedern die weniger gut hören und ein Hörgerät haben. Leider, so muss ich wohl sagen, kann ich auch da aus eigener Erfahrung schreiben. Dazu aber später.

Hörminderung – ein schleichender Prozess

Etwas schlecht gehört zu haben, das ist jedem schon einmal passiert. Aber irgendwann fängt es an, sich zu häufen. Dein Partner/deine Partnerin sagt zum Beispiel: «Hörst du diese Grillen?» und du kannst sie beim besten Willen nicht hören. Zu Beginn lassen sich anspruchsvolle Situationen noch einigermassen kompensieren: Man erhöht die Lautstärke, fragt öfters nach und versucht sich zu konzentrieren, um dem Gespräch noch folgen zu können. Viele Betroffene merken selbst nicht, dass ihr Gehör nachgelassen hat. Erst nach durchschnittlich sieben Jahren macht sich eine Schädigung der Ohren durch Kommuni- kationsprobleme im Alltag so bemerkbar, dass Betroffene aus eigener Initiative reagieren. Zu spät, denn in dieser Zeit ist die komplexe Fähigkeit der Sprache, Wichtiges aufzunehmen und Unwichtiges zu ignorieren, zunehmend verloren gegangen. Durch diese Veränderung wird eine Person plötzlich zum einsamen Wolf. Sie sitzt zwar mitten in einer gemütlichen Runde, zieht sich aber zusehend mehr und mehr in sich zurück. Grund: Sie kann den Gesprächen nicht mehr folgen, sie versteht den Inhalt nicht mehr und irgendwann hängt sie ab.

Hören und Verstehen

Das Gehirn bietet das wahrscheinlich grösste Potenzial zur Reaktivierung der Hörverarbeitung. Genau an diesem Punkt setzt die medizinische KOJ®Gehörtherapie an, bei der Hirnverarbeitung.

Mit dem Hören meinen wir zunächst einmal die akustischen Vorgänge im «Ohr». Doch die Signale von dort müssen im Gehirn aufbereitet werden, damit aus Hören Verstehen – Hörverstehen – werden kann. Das Gehirn unterscheidet die wichtigen von den unwichtigen akustischen Informationen und filtert alles Unwichtige aus. Millionen Nervenzellen in unserem Gehirn entscheiden jede Sekunde, welche gehörten Informationen wir verarbeiten und welche wir ignorieren. Erst so verstehen wir einen bestimmten Gesprächspartner in einer Gruppe von Menschen oder in einem Café. Unsere Ohren sind das wichtigste Sinnesorgan, das wir haben und der grösste Lieferant von Informationen für unser Gehirn. Im Alltag hören wir mehr, als wir in der Summe sehen, riechen, schmecken und fühlen können. Genau diese Fähigkeit verlernen wir aber, wenn die dafür zuständigen Hirnregionen aufgrund einer Hörminderung weniger beansprucht werden.

Meine Situation

Nach einigen Jahren Berufsleben in einem lauten Handwerkerberuf (ohne Gehörschutz) und vielen Jahrzehnten mit unzähligen lauten bis sehr lauten Musikproben, hat sich mein Gehör schleichend und unmerklich verschlechtert. Erst durch Hinweise meiner Frau bemerkte ich, dass ich vieles nicht mehr verstand oder hören konnte. Öfters kam es auch vor, dass ich mich an öffentlichen Anlässen plötzlich aus dem Gespräch zurückzog und relativ teilnahmslos dabeisass. Das hatte wie oben beschrieben damit zu tun, dass ich eine Zeitlang mit grosser Konzentration noch mithalten konnte, aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. An Sitzungen musste ich mir angewöhnen, möglichst einen zentralen Platz einzunehmen um alle anderen wirklich zu verstehen. Mehr und mehr bekam ich auch stimmliche Probleme, die mir absolut keinen Sinn machten. Erst nachdem ich meine Hörgeräte hatte merkte ich, dass ich jahrelang aufgrund des reduzierten Hörfähigkeit viel zu laut gesprochen hatte, was zudem ganz klar meiner Stimme schadete.

Welches Hörgerät

Sobald man sich der Problematik mal bewusst wird, muss man sich überlegen welches Hörgerät man möchte oder in welches Geschäft man gehen soll. Schnell habe ich gemerkt, dass grundsätzlich alle Hörgeräthersteller absolute High-Tech für die Ohren anbieten. Praktisch alle Hörgeräte sind heute über das Handy zu steuern und bieten so zusätzliche Vorteile. Meine Entscheidung wurde einzig durch eine Tatsache beeinflusst. Ich wählte letztendlich jene Firma, die zusätzlich zum Hörgerät auch ein Hörtraining anbietet.

Gehörtraining

Als ich das Geschäft zum ersten Mal mit meinen Hörgeräten verliess, kam das heitere Erwachen. Die schöne Stadt Luzern war nur noch eines: laut! Hörgeräte verbessern das Hören ganz entscheidend, denn diese dezenten technischen Wunderwerke gleichen die Hörminderung der Ohren aus. Plötzlich versteht man nicht nur die Person gegenüber sehr gut, sondern alles was man lieber nicht verstärkt hören möchte wird einem zu laut. An diesem besagten Tag hatte ich aber nicht nur meine Hörgeräte zum ersten Mal in den Ohren, nein ich hatte auch eine Tasche mit einem speziellen iPad mit dabei. Dieses sollte in den kommenden Wochen mein Trainingspartner werden.

Mit dem KOJ-Lerncomputer kann jeder Nutzer individuell nicht nur sein Gehör, sondern seine Kognition trainieren.

Dieses iPad ist mit vielen Lektionen der Hörschulung programmiert. Täglich absolvierte ich eine Lektion von 30 – 45 Minuten. Jedes Jahr kann ich dieses Training über einige Wochen wiederholen, was immer sehr hilfreich ist. Es ist, wie gesagt, nicht in erster Linie die Lautstärke das Problem, es sind die durch die Hörminderung nicht mehr verstanden Vokale und Konsonanten oder deren Verwechslung. So beinhaltete jede Lektion sämtliche Hörfähigkeiten: Unterscheiden von hohen und tiefen Tönen (welcher von vier Tönen war der höchste?), leisen und lauten Tönen (welcher war der lauteste oder leiseste Ton) kurzen und langen Tönen (welcher war der kürzeste oder längste Ton?) Weiter gab es viele Übungen mit Kunstwörtern, die anders aber doch sehr ähnlich klangen: ama, ana, ala, aga, awa etc. Auf dem Display musste das Gehörte angetippt werden. Durch diese Übungen wurde es auch möglich, das Hörgerät möglichst optimal einzustellen. Weiter gab es Zahlenfolgen, die in der korrekten Reihenfolge nachgetippt werden mussten. Meistens fanden die Übungen mit einem Hintergrundgeräusch statt, welches dem in einem Restaurant bei Hochbetrieb sehr nahekam. Ebenfalls gab es immer einen Abschnitt eines Hörbuches, natürlich auch mit Nebengeräusch. Hier mussten Aufgaben gemacht werden wie beispielsweise immer antippen, wenn das Wort «und» im Text vorkam. Am Ende einer jeden Übung wurde das «gehörte» Resultat angezeigt. Es war sehr erstaunlich, wie ich mich über die Wochen dabei steigern konnte. Genau im gleichen Ausmass gelang es mir, im Alltag mit den Hörgeräten besser klar zu kommen. Heute ist für mich klar was schon Dr. Alexandra Kupferberg, eine Neurowissenschaftlerin sagte: «Das Gehör ist trainierbar». Dieses neu erlernte fokussierte Hören ermöglicht einem wieder, sich auf die Worte seines Gesprächspartners zu konzentrieren und die Stimmen am hinteren Tisch auszuschalten. Früher war eine Delegiertenversammlung, ein Volksapéro oder ein Aufenthalt in der Festmeile ein Graus für mich. Auch heute kann das noch schwierig werden, aber in einem normalen Rahmen geht das wirklich sehr gut.

Umgang im Alltag

Wie oben erwähnt ist das Hörgerät über eine App auf dem Natel steuerbar. Ich selber habe da drei Einstellungen: Alltag – Musik hören – Musik machen. Bevor ich meine Jodelprobe beginne, schalte ich auf dem Handy auf «Musik machen» und los geht’s. Am Ende der Probe schalte ich wieder auf «Alltag» und alles wird ein wenig lauter und heller. Wenn ich in ein Konzert gehe, belasse ich es vorerst auf «Alltag». Wenn es mir dann zu laut oder zu grell wird, (je nach Formation und Musikstil) so nehme ich mein Handy und schalte auf «Musik hören».

Umgang mit Sängern mit Hörgerät

In unseren Chören haben wir viele Mitglieder mit einem Hörgerät oder solche die eines haben sollten. Wenn ein Sänger plötzlich zu laut singt, könnte dies ein Anzeichen eines Gehörverlustes sein. Hier lohnt es sich zuerst die Situation zu beobachten und vielleicht vorerst nur mit dem Präsidenten zu besprechen. Wenn sich die Vermutung langsam bestätigt, muss mit diesem Sänger das Gespräch gesucht werden. Mitglieder, die bereits ein Hörgerät haben brauchen in der Regel keine Sonderbehandlung. Wenn aber Unsicherheiten beim Singen festzustellen sind, lohnt sich auch hier die Sache mal anzusprechen. Vielleicht ist das Hörgerät falsch eingestellt oder es hat keine Einstellung für die musikalische Betätigung? So könnte man den Sänger ermutigen, dies mit der entsprechenden Ansprechperson mal anzuschauen und eine Lösung dafür zu suchen.

Was bleibt Ein geschädigtes Gehör kann sich nicht plötzlich erholen und genesen wie andere körperliche Beschwerden dies vielleicht können. Der Schaden bleibt und man muss damit leben können. Ein Hörgerät kann einfach den Alltag wieder erträglich und das Leben lebenswert machen.

Licht und Schatten

Wo es Schatten gibt muss es auch Licht geben. Demzufolge haben auch Hörgeräte ihre Vorteile. Durch die Verbindung mit dem Handy durch Bluetooth brauche ich weder Stöpsel in den Ohren noch riesige Kopfhörer. Ruft mich jemand auf dem Handy an, so läutet das direkt in meinen Ohren und ich kann jederzeit frei sprechen ohne das Telefon an meine Ohren zu halten. Das Hören von Hörbüchern, Radiosendungen und Musik ist immer und überall möglich ohne jemand dabei zu stören. Da ich auf dem Handy eine Klavier-App habe, kann ich auch jederzeit mit dem Handy anstimmen, denn niemand hört diesen Ton meines Natels ausser ich in meinen Ohren. Ja, es gibt bei allem immer auch eine positive Seite!

Ratschlag

Tragt Sorge zu eurem Gehör. Schützt eure Ohren bei lauten Tätigkeiten. Ein geschädigtes Gehör ist nicht mehr zu reparieren. Ein Hörgerät bringt zwar sehr viel und macht den Alltag wieder erträglich, aber es wird nie mehr so wie es einmal war.


KHRC-Hintergrund-V2.001-1-1200x449.jpeg
31/Mai/2020


Kognitives Training gegen psychische Folgen der sozialen Distanzierung

Die rasche Umsetzung der sozialen Distanzierung ist notwendig, um die Coronavirus-Kurve abzuflachen und eine Verschlimmerung der aktuellen Pandemie zu verhindern. Aber so wie der Coronavirus-Lockdown eine wirtschaftliche Rezession zu verursachen droht, wird er vermutlich auch zur „sozialen Rezession“ führen: zu einem Zusammenbruch der sozialen Netzwerke, der besonders hart für die Bevölkerungsgruppen ist, die am stärksten von Isolation und Einsamkeit betroffen sind – ältere Erwachsene und Menschen mit Behinderungen oder bereits bestehenden Gesundheitsproblemen und psychischen Störungen. Wenn immer strengere Massnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, warnen Experten für psychische Gesundheit davor, dass der Verlust der alltäglichen sozialen Verbindungen mit bedeutsamen psychologischen Kosten verbunden ist (Friedler, Crapser, and McCullough 2015). Und diese Kosten könnten steigen, je länger sich solche Massnahmen in die Länge ziehen.

 

Soziale Isolation ist für manche Menschen nicht neu

Obwohl eine Pandemie wie die Coronavirus-Pandemie ein extremer, seltener Zustand ist, ist die Art der Abgeschiedenheit, der die Menschen in den letzten Wochen begegnet sind, nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Auswirkungen der sozialen Isolation auf unseren Körper und Geist wurden bei einer Vielzahl von verschiedenen Menschengruppen bereits untersucht, von Astronauten bis hin zu Inhaftierten, von immungeschwächten Kindern bis hin zu Antarktisforschern. Doch muss man bedenken, dass depressive Symptome besonders intensiv gerade während der Isolation durch das Coronavirus auftreten können. Das ist dadurch bedingt, dass die Zeitspanne, in der man soziale Kontakte ausserhalb der Familie meiden sollen, im Moment nicht definiert werden kann, weil man nicht weiss, wie lang das erhöhte Risiko einer Ansteckung noch bestehen wird. Dagegen wissen viele Menschen, die z. B. in Einzelhaft gehaltenen werden oder in einer abgelegenen Region der Erde arbeiten, wann sie wieder in den Alltag zurückkehren können, sodass sie sich besser auf die Situation einstellen können.

 

Soziale Distanzierung und körperliche Gesundheit 

Soziale Isolation wird definiert als ein Zustand, in dem ein Individuum eine minimale Anzahl von sozialen Kontakten pflegt und das soziale Engagement mit anderen Menschen und der übrigen Gemeinschaft gering ist (Nicholson 2009). Einsamkeit verursacht Stress, und langfristiger oder chronischer Stress führt zu häufigeren Erhöhungen eines wichtigen Stresshormons, des Cortisols. Es ist auch mit einem höheren Entzündungsniveau im Körper verbunden. Dies wiederum schädigt die Blutgefässe und andere Gewebe und erhöht das Risiko von Herzkrankheiten, Diabetes, Gelenkerkrankungen, Depressionen, Fettleibigkeit und vorzeitigem Tod. Bei älteren Menschen scheint die soziale Isolation alle bereits bestehenden Krankheiten, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Hakulinen et al. 2018) bis hin zu Alzheimer, zu verschlimmern, aber ihre negativen Auswirkungen sind nicht nur auf die über 60-Jährigen beschränkt.

 

Abwesenheit von Interaktion ist Gift für geistige Fitness und mentale Gesundheit

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass starke soziale Verbindungen das Risiko eines kognitiven Abbaus verringern und den Ausbruch einer Alzheimer-Erkrankung verzögern können (Stern 2006; Szekely, Breitner, and Zandi 2007). Eine relativ neue systematische Übersichtsarbeit, die die Ergebnisse aus 51 Studien zusammenfasste, zeigte, dass geringe soziale Aktivitäten und kleinere soziale Netzwerke einen Risikofaktor für kognitive Verlangsamung (Evans et al. 2019) und Verschlechterung des Gedächtnisses (Hsiao, Chang, and Gean 2018; Read, Comas-Herrera, and Grundy 2020) im späteren Leben darstellen. Der soziale Umgang und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten ist kognitiv „herausfordernd“ und „aufwendig“ und stimulierend für das Gehirn. Gespräche mit anderen Menschen und Teilnahme an Gruppenaktivitäten führen zur Verbesserung der kognitiven Funktionen durch Schulung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie kognitiver Verarbeitungsgeschwindigkeit (Aartsen et al. 2002; Brown et al. 2016; Fratiglioni, Paillard-Borg, and Winblad 2004). Mangel an sozialer Interaktion verkleinert die Stimulation des Gehirns und führt einer Verringerung der kognitiven Reserve (Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen pathologische Veränderungen im Alter) und damit zu einem schnelleren kognitiven Rückgang (Evans, Llewellyn, et al., 2018). Abgesehen davon kann soziale Isolation auch zu anhaltendem psychischen Stress führen, der wiederum die kognitive Funktionsfähigkeit einschränken kann (Seeman et al. 2001). Auf der anderen Seite können auch geringere kognitive Reserven und ein kognitiver Rückgang zu einer erschwerten Kommunikation und damit zum Rückzug aus dem sozialen Leben führen  (Bennebroek Evertsz’ et al. 2017) und das Zurückkehren in das normale Gesellschaftsleben für ältere allein lebende Menschen erschweren, nachdem die Massnahmen für soziale Distanzierung gelockert oder aufgehoben sein werden.

Die Abwesenheit von Interaktion mit anderen gilt als Hauptursache für psychosozialen Stress, der zur erhöhten Prävalenz neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen beiträgt (Friedler et al. 2015). Soziale Isolation erhöht auch das Risiko von Morbidität und Mortalität sowie das Risiko des Auftretens vieler neuropsychologischer Störungen wie zum Beispiel Schizophrenie (Jiang, Cowell, and Nakazawa 2013) oder Manie (Gilman et al. 2015). Bei Nagetieren wurde wiederholt gezeigt, dass soziale Isolation zu einer Verschlechterung des Gedächtnisses führt (Leser and Wagner 2015).

 

Warum ältere Menschen besonders stark von der sozialen Isolation betroffen sind

Mit zunehmendem Alter erfährt man oft Einbussen in der Mobilität und die soziale Unterstützung schrumpft mit dem Tod von Freunden und Familie. Lokale Vereine, religiöse Gottesdienste und Zeit mit der Familie bringen soziale Struktur und Freude in das Leben vieler Menschen, aber sie sind besonders wichtige Anknüpfungspunkte für diejenigen, die aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustands nicht arbeiten oder nicht allein unterwegs sein können. Wenn ältere und kranke Menschen monatelang von sozialen Aktivitäten Abstand nehmen müssen, wird sich die Qualität ihres Lebens verschlechtern, und es wird ihnen schwerfallen, die alten Strukturen und Beziehungen wiederaufzubauen. Verlust der gewohnten Routine und verminderter sozialer und physischer Kontakt mit anderen Menschen führen häufig zu Langeweile, Frustration und einem Gefühl der Isolation vom Rest der Welt, wodurch Menschen verunsichert werden (Jeong et al. 2016; Taylor et al. 2008). Diese Frustration kann auch noch dadurch verstärkt werden, dass manche ältere Menschen sogar auf das Einkaufen der Lebensmittel aufgrund der Angst vor der Ansteckung verzichten (Hawryluck et al. 2004).

 

Kognitives Training stimuliert das Gehör und Gehirn und wirkt der geistigen Verlangsamung während der sozialen Isolation entgegen

Trotz der schweren Lage werden einige ältere Menschen mit der sozialen Distanzierung besser zurechtkommen als andere. Bei manchen werden vielleicht die sozialen Kontakte sogar zunehmen, wenn sich Freunde und Familie verstärkt um sie kümmern. Und manche Menschen bleiben durch Telefon- und Videoanrufe, SMS oder den Beitritt zu einer Online-Community in Verbindung.

Auch computerisiertes kognitives Training kann positive Effekte auf die kognitive Fitness während der Isolation haben und als Prävention eines kognitiven Rückgangs dienen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hat gezeigt, dass computerisiertes kognitives Training einen positiven Effekt auf die Depressionssymptome hat (Motter et al. 2016). In einer anderen Studie wurde kognitives auditorisches Training eingesetzt, um psychische Beschwerden von depressiven Patienten zu verringern und die Alltagsbewältigung und die kognitive Funktion zu verbessern (Preiss et al. 2013). Das Training wurde dreimal wöchentlich, jeweils 20 Minuten lang, acht aufeinander folgende Wochen lang durchgeführt. Eine zweite Gruppe von Patienten (Kontrollgruppe) erhielt nur die Standardbehandlung (Medikamente und psychologische Therapiesitzungen). Der Vergleiche zwischen den Gruppen nach dem Training zeigte, dass die Gruppe, die trainiert hat, ein signifikant reduziertes Depressionsniveau aufwies. Diese Gruppe zeigte auch signifikante Verbesserungen in Bereichen wie Aufmerksamkeit und der Bewältigung des Alltags.

In einer anderen Studie wurde der Effekt von kognitivem Training auf das Demenzrisiko bei 2.802 gesunden älteren Erwachsenen (im Durchschnitt 74 bis 84 Jahre alt) in den Vereinigten Staaten untersucht. Dazu wurden die Probanden 10 Jahre lang beobachtet (Edwards et al. 2017). Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in eine Kontrollgruppe oder eine von drei Interventionsgruppen eingeteilt, wobei verschiedene Arten von kognitivem Training eingesetzt wurden: 1) Training der Strategien für besseres Gedächtnis 2) Training der Strategien für bessere Argumentation 3) individualisiertes computergestütztes Training zur Verbesserung der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei allen Teilnehmern wurden zu Beginn der Studie, nach den ersten sechs Wochen und jeweils nach 1, 2, 3, 5 und 10 Jahren die kognitiven Fähigkeiten untersucht. Interessanterweise fanden die Forscher keinen signifikanten Unterschied im Demenzrisiko bei den Gruppen, die strategiebasiertes Gedächtnis- oder Argumentationstraining durchgeführt hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe. Jedoch zeigte die Gruppe, die computergestütztes Geschwindigkeitstraining  durchgeführt hatte, ein signifikant geringeres Risiko für Demenz im Vergleich zur Kontrollgruppe – im Durchschnitt eine 29-prozentige Risikoreduktion.

 

eLearning für zu Hause 

Die heutigen innovativen technologischen Werkzeuge im Bereich des E-Learnings und computerbasierten Gehirntrainings ermöglichen es, auf professionelle Art und Weise die kognitiven Fähigkeiten bequem von zu Hause aus zu trainieren und die kognitiven Reserven zu verbessern. Die fortschrittliche Technologie der Koj-Gehörtherapie wurde entwickelt, um die Leistung des Benutzers konsistent zu messen, und passt das Niveau und die Art der Aufgaben automatisch an seine Fähigkeiten und Bedürfnisse an. Die Koj-Gehörtherapie trainiert nicht nur das Sprachverstehen, sondern wichtige kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit, die für das alltägliche Leben und die Kommunikation vor allem bei älteren Menschen mit Hörproblemen entscheidend sind.

® Dr. A. Kupferberg, 04.2020


Bild_KOJ_Hörgerät.001-e1584220034449-1200x699.jpeg
31/Mai/2020

Das Tragen von Hörsystemen ist wichtig – aber gerade in den heutigen Tagen ist das häufige in die Stadt Pendeln und das persönliche Besuchen von Fachgeschäften zum einen ein Aufwand und zum anderen nicht nötig. KOJ versteht sich als Lieferant von modernster Spitzentechnologie und ist immer auf der Suche, nach dem Fortschritt.

In diesem Interview erklärt unser Ingenieur Herr Schmid und unsere liebe Gehörtherapeutin Frau Liechti, wie einfach Remote-Fitting funktioniert.

Das Tragen von Hörsystemen ist wichtig – aber gerade in den heutigen Tagen ist das häufige in die Stadt Pendeln und das persönliche Besuchen von Fachgeschäften zum einen ein Aufwand und zum anderen nicht nötig. KOJ versteht sich als Lieferant von modernster Spitzentechnologie und ist immer auf der Suche, nach dem Fortschritt.

Das Tragen von Hörsystemen ist wichtig – aber gerade in den heutigen Tagen ist das häufige in die Stadt Pendeln und das persönliche Besuchen von Fachgeschäften zum einen ein Aufwand und zum anderen nicht nötig. KOJ versteht sich als Lieferant von modernster Spitzentechnologie und ist immer auf der Suche, nach dem Fortschritt.

Zwei Besonderheiten haben wir für Sie erarbeitet: Zum einen haben wir exklusiv die neusten Hörsysteme des führenden amerikanischen Herstellers NuEar. Die mit zahlreichen internationalen Innovationspreisen ausgezeichnete Technik zählt zu den aktuell kleinsten hinter dem Ohr getragenen Hörsystemen. Die Funktionen gehen bereits weit über die eines typischen Hörsystems hinaus: Die neuen KOJ-Circa Hörsysteme haben mehrere Sensoren, mit denen die körperliche Fitness gemessen, oder im Fall eines Unglücks wie einem Sturz automatisch ein Notfall-Alarm ausgelöst werden kann. Zudem sind die Hörsysteme dank künstlicher Intelligenz in der Lage, über 20 Fremdsprachen zu übersetzen. Die KOJ-Circa Hörsysteme können mit verschiedensten Smartphones von Apple bis Android verbunden und sogar eigenhändig bis ins Detail gesteuert werden.

Als zweites dürfen wir Ihnen ganz kleine Im-Ohr-Hörsysteme vom Traditionshersteller Siemens empfehlen. Diese winzige Technik wird direkt “im” Gehörgang getragen und ist so von aussen (fast) unsichtbar.

Abgesehen vom brillanten Klang und einem tollen Design überzeugen diese Techniken durch eine bahnbrechende Neuerung: Dem Remote-Fitting. Dabei werden die Hörsysteme mit Ihrem Smartphone verbunden und Ihr Smartphone hat via Internet eine Verbindung zu unseren Gehörtherapeuten. Was auch immer Ihr Wunsch zur Anpassung oder Veränderung ist, wir können via Fernwartung Ihre Hörsysteme neu justieren und anpassen. Bequemer – und aktuell sicherer – geht es nicht.

… Probieren Sie es einfach gratis aus.


child-1528309_640.jpg
31/Mai/2020

Ein Artikel von Deutsches Ärzteblatt.

Philadelphia – Jedes fünfte Kind, das nach der Korrektur eines angeborenen Herz­fehlers untersucht wurde, wies in einer Kohortenstudie im Journal of Pediatrics (2018; 192: 144–151.e1) Hörstörungen auf. Die genauen Ursachen sind unklar.

Hörstörungen bei Kindern sind in der Regel selten oder – wenn sie im Zusammenhang mit einer Mittelohrentzündung auftreten – meist vorübergehend. Es ist deshalb bemerkenswert, dass 55 von 348 Kindern (21,6 %), bei denen im Säuglingsalter am Children’s Hospital of Philadelphia die Korrektur eines Herzfehlers vorgenommen wurde, bei einer Nachuntersuchung im Alter von 4 Jahren eine Hörstörung aufwiesen. Die Prävalenz war etwa 20-fach höher, als normalerweise in diesem Alter zu erwarten gewesen wäre.

Wie Nancy Burnham und Mitarbeiter von Children’s Hospital of Philadelphia berichten, lag bei den meisten Kindern (12,4 %) zwar eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor, die Folge einer Infektion sein könnte. Doch bei immerhin 6,9 % der Kinder wurde eine Schallempfindungsschwerhörigkeit diagnostiziert, die ihre Ursache meist im Innenohr hat. Bei weiteren 2,3 % wurde die Hörstörung nicht näher bestimmt.

Warum so viele Kinder Hörstörungen haben, konnte Burnham nicht genau klären. Als mögliche Risikofaktoren ermittelte sie ein Gestationsalter von weniger als 37 Wochen, eine genetische Anomalie, die gleichzeitig zum Herzfehler und zu Hörstörungen führt, sowie eine längere postoperative Liegezeit im Krankenhaus. Die Lärmexposition auf der Intensivstation oder auch der Einsatz von Medikamenten könnte zur Hörstörung beigetragen haben, schreibt die akademisch weitergebildete Pflegekraft („Nurse practitioner“), die aufgrund der Ergebnisse zu audiologischen Untersuchungen bei allen Kindern rät.

Hörstörungen bei Kindern sind nämlich ein häufiger Grund für Störungen der vorschulischen und später schulischen Entwicklung. Tests ergaben, dass die Kinder mit Sprachstörungen Defizite in den Sprachfertigkeiten, der Kognition (IQ-Test), den exekutiven Funktionen und bei der Aufmerksamkeit aufwiesen. © rme/aerzteblatt.de


splashing-164964-2.jpg
31/Mai/2020

Gerade in der heutigen Zeit ist das Desinfizieren wichtiger de je.
Und wir legen Ihnen genau das ans Herz.

TIPP: Nutzen Sie UV-Licht zur Bekämpfung von Viren und Keinem. Die speziellen UV-Dryboxen sind dabei nicht nur gut für Ihre Gesundheit, sondern pflegen gleichzeitig durch gezielten Einsatz von Hitze Ihre Hörgerte. Dadurch werden empfindliche Teile wie um Beispiel die Lautsprecher, Mikrofone oder die Elektronik von Feuchtigkeit und Schweiss befreit, was deren Qualität sichert.

Oder nutzen Sie die speziellen Reinigungs- und Desinfektionsmittel für Hörgeräte. Egal ob praktische Einwegtücher oder ergiebige Sprays, bei der Pflege der Hörgeräte dürfen nicht irgendwelche Mittel verwendet werden; Gerade bei Mitteln auf Wasser- oder Seifenbasis ist grosse Vorsicht geboten, da sonst unbeabsichtigt das Hörgerät beschädigt werden kann. Wir empfehlen Ihnen unsere über viele Jahre bewährte Mittel.

Allgemeine Desinfektionssprays bei KOJ erhältlich. Aufgrund der grossen Nachfrage vieler Patienten an allgemeinen Desinfektionssprays gegen Viren wie Corona, haben wir uns in dieser aussergewöhnlichen Situation entschieden, unsere eigenen im Labor eingesetzten Desinfektionsmittel für Patienten zugänglich zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass Desinfektionsmittel keine Mangelware sein dürfen und in Ihren Händen sinnvoller aufgehoben sind als in einem Lager. Unser bewährtes Desinfektionsmittel auf Basis von Wasserstoffperoxid und Silber wird in der Schweiz hergestellt und wirkt verlässlich und schnell, auch gegen Viren wie Influenza oder Corona.

Hier können Sie bequem Ihr Desinfektionsmittel auswählen und bestellen.


image1.jpeg
31/Mai/2020

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Wissenschaftlern aus Frankreich hat mithilfe der Gentherapie das Gehör bei erwachsenen Mäusen mit DFNB9-Taubheit, einer der häufigsten Formen der erblichen oder angeborenen Taubheit, wiederhergestellt (Akil et al., 2019). Der gentherapeutische Ansatz beugte nicht nur dem Hörverlust bei der sich noch entwickelnden Cochlea bei jungen Mäusen vor, er hat auch die Taubheit bei adulten DFNB9-Mäusen rückgängig gemacht. Bei Letzteren wurden separate virale Vektoren verwendet, um die DNA für die Produktion des Proteins Otoferlin in zwei Hälften in die Zellen einzuschleusen.



Dr. Kupferberg fasst das spannende Thema verständlich in einem kurzen Video zusammen.


Was Forschern bereits heute bei der Maus gelingt, könnte in der Zukunft vielen Betroffenen bei Taubheit helfen – eine Gentherapie.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass ihre Arbeit den Weg für Studien zur Humangentherapie bei Patienten mit DFNB9-Taubheit ebnen könnte. „Unsere Ergebnisse dokumentieren sowohl die präventive als auch die heilende Wirkung der lokalen Gentherapie in einem Mausmodell des DFNB9 und erweitern gleichzeitig den Anwendungsbereich der potenziellen Gentherapie für die humane erbliche Form der Gehörlosigkeit“, schrieben sie in ihrem veröffentlichten Beitrag in PNAS mit dem Titel „Dual AAV-vermittelte Gentherapie stellt das Hören in einem DFNB9-Mausmodell wieder her“. Das Team bestand aus Forschern des Institut Pasteur, Inserm, CNRS, Collège de France, der Universität Sorbonne, der University of Clermont Auvergne in Frankreich sowie der University of Florida, Gainesville, Columbia University Medical Center und dem New York Presbyterian Hospital in den USA.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass ihre Arbeit den Weg für Studien zur Humangentherapie bei Patienten mit DFNB9-Taubheit ebnen könnte. „Unsere Ergebnisse dokumentieren sowohl die präventive als auch die heilende Wirkung der lokalen Gentherapie in einem Mausmodell des DFNB9 und erweitern gleichzeitig den Anwendungsbereich der potenziellen Gentherapie für die humane erbliche Form der Gehörlosigkeit“, schrieben sie in ihrem veröffentlichten Beitrag in PNAS mit dem Titel „Dual AAV-vermittelte Gentherapie stellt das Hören in einem DFNB9-Mausmodell wieder her“. Das Team bestand aus Forschern des Institut Pasteur, Inserm, CNRS, Collège de France, der Universität Sorbonne, der University of Clermont Auvergne in Frankreich sowie der University of Florida, Gainesville, Columbia University Medical Center und dem New York Presbyterian Hospital in den USA.

Adeno-assoziierte Viren dienen als Vektoren für die Einschleusung von Genen 

Adeno-assoziierte Viren (AAV) sind vielversprechende Vektoren für den Gentransfer in der Gentherapie und könnten durchaus dazu verwendet werden, die Gene zu transportieren, die zur Wiederherstellung des Hörvermögens bei angeborenen Formen der Taubheit benötigt werden. Die nachhaltige Transgenexpression mit AAVs wurde in verschiedenen Tiermodellen erreicht, und das ausgezeichnete Sicherheitsprofil dieser Vektoren wurde in vielen laufenden klinischen Studien nachgewiesen, so die Autoren: „Infolgedessen sind AAVs heute das wichtigste Genverabreichungssystem in der Gentherapie bei genetischen Störungen.“

Gentherapie sollte vor der vollständigen Entwicklung des Hörsinns erfolgen

In den meisten Tests bei Mausmodellen mit Taubheit wurde das erforderliche Gen an die sich entwickelnde Cochlea bei neugeborenen Mäusen appliziert (in der Regel um den postnatalen Tag 1 oder 2), also bevor die Tiere beginnen zu hören – bei Mäusen etwa am Tag 12. Im Gegensatz dazu wird beim Menschen die Cochlea-Entwicklung im Fötus während der Schwangerschaft abgeschlossen, und das Hören entwickelt sich im Laufe von etwa 20 Wochen, und zwar lange vor der Geburt. Dies führt zu einem sehr kleinen Therapiefenster, wenn eine Gentherapie in der sich entwickelnden Cochlea durchgeführt werden soll. Tatsächlich aber müsste die Gentherapie nach der Geburt durchgeführt werden, sobald der Hörverlust und seine Ursache beim Säugling diagnostiziert wurden und wenn die Cochlea vollständig entwickelt ist. Das bedeutet, dass mit der Behandlung eine bereits bestehende Taubheit rückgängig gemacht werden müsste. Dies sollte bei der Entwicklung präklinischer Tests berücksichtigt werden.

Bei Mäusen kann der Hörverlust durch Gentherapie rückgängig gemacht werden

Ihren gentherapeutischen Ansatz gegen bereits bestehende Gehörlosigkeit testeten die Forscher unter der Leitung von Saaïd Safieddine, PhD, einem Forscher im Gebiet der Genetik und Physiologie des Hörorgans (Institut Pasteur/Inserm), an ein Mausmodell des DFNB9, das die Ursache für 2 bis 8 % der angeborenen Gehörlosigkeit beim Menschen ist. Die Erkrankung wird durch Mutationen im Gen für Otoferlin verursacht, einem Protein, das eine Rolle bei der Übertragung von Schallinformationen an den Synapsen der inneren Haarzellen (IHC) in der Cochlear spielt. Gehörlosen Mäusen fehlt das Otoferlin-Gen (Otof-/-Tiere).

Der potenzielle Einsatz der AAV-Technologie zur Übertragung des Otoferlin-Gens wird durch die begrenzte DNA-Packkapazität der AAV-Vektoren – etwa 4,7 kb DNA – erschwert, die nicht ausreichen würde, das gesamte rekombinante Otoferlin-Gen, das etwa 6 kb beträgt, zu transportieren. Das Team von Saffieddine entwickelte einen Weg, indem es einen dualen AAV-Vektor-Ansatz anwandte. Bei diesem wird das Otoferlin-Gen effektiv zwischen zwei verschiedenen AAV-Vektoren aufgeteilt, wobei jeder für eines der beiden gegenüberliegenden Enden des Otoferlin-Gens kodiert. Das Team verabreichte die beiden Vektoren am Postnataltag 10 gleichzeitig direkt in die Cochleas von DFNB9-Mäusen, denen das Otoferlin-Gen fehlte. Dieser Zeitpunkt lag noch vor Abschluss der Cochlea-Entwicklung. Die Analyse des Cochlea-Gewebes acht Wochen nach der einmaligen Injektion beider Vektoren bestätigte, dass die Behandlung in mehr als 60 % der inneren Haarzellen zur Produktion des kompletten Otoferlin-Proteins führte. Auditorische Hirnstammtests 4 Wochen nach der Genübertragung bestätigten, dass das Gehör der Tiere wiederhergestellt worden war, und diese Wiedererlangung war bei den meisten Mäusen mehr als 6 Monate später immer noch sichtbar. „Dreißig Wochen nach der Injektion hatten sechs der acht Mäuse, die Injektionen am Postnataltag 10 erhielten, noch Hörschwellen, die innerhalb von 10 dB von denen der Wildtyp-Mäuse lagen“, schreiben die Autoren. Die Gentherapie vor Hörbeginn verhindere daher bei Otof-/-Mäusen Taubheit.

Erfreulicherweise zeigten Tests an Mäusen, die eine einzige intracochleäre Injektion des Vektorpaares entweder am Postnataltag 17 oder 30 erhielten, dass die Behandlung zu einer Otoferlin-Produktion in IHCs in der gesamten behandelten Cochlea und zu einer Wiederherstellung des Gehörs bereits 3 Wochen nach der Injektion führte. Der erneute Test zeigte, dass der Effekt bis zu 20 Wochen anhielt.

„Wir berichten über den prinzipiellen Nachweis, dass der Transfer einer fragmentierten cDNA über einen Dual-AAV-Vektoransatz im DFNB9-Mausmodell die Produktion des vollwertigen Proteins effektiv wiederherstellen kann, was zu einer lang anhaltenden Korrektur des Phänotyps der hochgradigen Taubheit dieser Mäuse führt“, schlussfolgerten die Autoren. „Wir zeigen, dass die lokale Gentherapie bei mutierten Mäusen nicht nur Taubheit verhindert, wenn sie an noch nicht ausgereiften Hörorganen appliziert wird, sondern auch das Gehör dauerhaft wiederherstellt, wenn sie in einem ausgereiften Stadium verabreicht wird, was Hoffnung auf zukünftige Gentherapie-Studien bei DFNB9-Patienten weckt.“

Hörverlust kann mit Gehörtherapie behandelt werden

Autosomal rezessive genetische Formen der Taubheit machten die meisten Fälle von hochgradigem Hörverlust aus, schrieben die Forscher: „Mehr als die Hälfte der Fälle von nicht-syndromischer schwerer angeborener Taubheit haben eine genetische Ursache, und die meisten (∼80 %) sind autosomal rezessiv (DFNB).“ Cochlea-Implantate sind derzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit, und obwohl sie zur Verbesserung des Hörvermögens beitragen können, sind sie nicht perfekt. Patienten haben häufig Probleme, Sprache in lauter Umgebung oder bei Musik zu erkennen. Für Patienten mit altersbedingter Schwerhörigkeit, bei denen am meisten das Sprachverstehen bei Nebengeräuschen erschwert ist, eignet sich als Therapiemethode die Versorgung mit Hörgeräten in Verbindung mit auditorischer kognitiver Gehörtherapie, wie der Koj-Gehörtherapie. Ein interaktives Computerprogramm dient dabei dazu, den optimalen Nutzen bei Anpassung der Hörgeräte zu ermöglichen, indem die Defizite im Sprachverstehen, die beim Training auftreten, bei Einstellungen des Hörgeräts berücksichtigt werden. Das Training wird eingesetzt, um bei den Patienten in Anfangsstadium des Hörverlustes  kognitive Fähigkeiten zu trainieren und so dem kognitiven Verfall entgegenzuwirken. Zu den Basisaufgaben gehören u. a. das Verstehen von einfachen Wörtern aus einem Satz mit und ohne Hintergrundgeräusch, Verstehen einer Stimme, während eine andere Person gleichzeitig spricht, oder das Erkennen von Alltagsgeräuschen. Ebenfalls werden das Verstehen von Hörbüchern und das auditorische Gedächtnis trainiert. Im Moment wird eine wissenschaftliche Studie an der Universität Zürich über die klinische Wirksamkeit dieses Trainings durchgeführt.

Hören ist Hirnsache

Quelle: Akil, O., Dyka, F., Calvet, C., Emptoz, A., Lahlou, G., Nouaille, S., … Lustig, L. R. (2019). Dual AAV-mediated gene therapy restores hearing in a DFNB9 mouse model. Proceedings of the National Academy of Sciences, 116(10), 4496–4501. https://doi.org/10.1073/pnas.1817537116

Swiss-Erweiterung der Gehörtherapie

Hörfilter KOJ
Das grosse eLearning Update JAN/FEB 2020.

In unserem aktuellen Update der bewährten KOJ-Gehörtherapie wurden die Sprachaufnahmen erweitert. Über 3000 weitere Aufnahmen von Zahlen, Wörter, Silben und Sätzen wurden von zwei neuen Sprechern im schönsten Schweizerdeutsch vertont. Aber nicht nur dies, es wurden viele neue Informationen, Videos, Animationen, Grafiken und Fragebögen integriert. Ebenso wurden die Algorithmen des eLearnings an die Ergebnisse der Nutzer 2019 angepasst und aktualisiert. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim weiteren Training.

■ Möchten Sie sich zum Gehörtraining anmelden?

 

Weltneuheit: das KOJ®Coral – Mehr als nur ein neues Hörsystem

KOJ-Coral
Wir laden Sie zur gratis Ausprobe ein.

Im Jahr 2017 haben wir nach langer Forschung und auf Wunsch von vielen unserer Klienten unser erstes eigenes Hörsystem entwickelt – das G400. Bis heute zählt dieses Hörsystem als eines der Besten seiner Art. Seit knapp einem Jahr weiterführender Entwicklung dürfen wir Ihnen mit Freude und auch etwas Stolz unser zweites Hörsystem vorstellen – das KOJ®Coral. Für die Entwicklung und Forschung haben sich hunderte unserer Klienten als Testprobanden zur Verfügung gestellt und tolle Vorschläge, Inspirationen und Wünsche beigesteuert. Wir haben unser Möglichstes getan, um so viel als möglich davon umzusetzen:
 Leistungsfähige Akkutechnik, schnellste Signalverarbeitung, drahtlose Verbindung, natürlicher Klang, optimiert auf die menschliche Verarbeitung, höchste Schutzklasse gegen Wasser und Staub, bereit für Morgen – durch updatebaren Prozessor
. Wir laden Sie dazu ein, unser fortschrittliches Hörsystem KOJ®Coral als einer der ersten Klienten weltweit zu erproben – und das unverbindlich und kostenfrei.

■ Möchten Sie das neue KOJ-CORAL Hörsystem gratis erproben?

 

© Dr. Kupferberg, KHRC, 01-2020


Opn_miniRITE_RoyalBlue_2.jpg

Beitrag zitiert von heise online, verfasst von  Charlotte Jee /

Wer eine Hörhilfe benötigt, tut sich oft schwer, wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen. Ein neues System soll Betroffene besser unterstützen: mit der Auswertung von Hirnsignalen.

Stellen Sie sich, Sie wollen sich in einer lauten Bar von einem Freund die neuesten Geschichten erzählen lassen. Trotz der Ablenkung durch Hintergrundgeräusche sind Sie in der Lage, das Wesentliche herauszufiltern und Ihrem Freund zu folgen. Dieser so genannte “Cocktail-Party Effekt“ ist für die meisten Menschen ganz natürlich – nicht aber für Träger von Hörhilfen: Für sie kann es schwierig und sehr frustrierend sein, mit irrelevanten Geräuschen zurechtzukommen.

Ein potenziell transformatives neues System könnte das jetzt ändern, indem es herausfindet, wem eine Person zuhören möchte, und nur die jeweilige Stimme verstärkt. Um die Absichten des Zuhörers zu erkennen, werden im auditorischen Kortex Elektroden platziert, also in dem Teil des Gehirns, der für die Verarbeitung von Geräuschen zuständig ist. Wenn sich das Gehirn auf unterschiedliche Stimmen konzentriert, generiert es elektrische Signaturen jedes Sprechers, die sich auswerten lassen.

Passende Stimme verstärken

Ein Algorithmus für “Deep Learning” wurde darauf trainiert, auf diese Weise unterschiedliche Stimmen zu unterscheiden: Er sucht nach der besten Übereinstimmung zwischen der gewünschten Signatur und denen der unterschiedlichen sprechenden Personen in einem Raum. Anschließend wird die am besten passende Stimme verstärkt, was dem Zuhörer hilft, sich darauf zu konzentrieren.

Das jetzt in der Fachzeitschrift “Science Advances” beschriebene System wurde von einem von Forschern der Columbia University angeführten Team entwickelt und an drei Personen ohne Hörprobleme getestet, die am North Shore University Hospital in New York operiert wurden. Im Rahmen einer Therapie gegen Epilepsie setzten Ärzte den Patienten Elektroden in das Gehirn ein, sodass dessen Signale erfasst werden konnten. Den Teilnehmern wurde eine Aufzeichnung mit vier Menschen vorgespielt, die durchgängig sprachen. Zwischendurch hielten die Forscher das Band an und baten die Probanden, den letzten Satz vor der Pause zu wiederholen. Dies sollte sicherstellen, dass sie richtig gehört hatten, was mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 91 Prozent der Fall war.

Allerdings gibt es dabei einen offensichtlichen Nachteil: Beim aktuellen System ist eine Hirnoperation für das Einsetzen der Elektroden erforderlich. Nach Angaben der Forscher lassen sich Hirnsignale jedoch auch durch Sensoren in oder auf dem Ohr erfassen, sodass das System später in eine Hörhilfe integriert werden könnte (wobei es dann weniger genau würde). Zudem könnte es auch von Menschen ohne Hörprobleme verwendet werden, die sich besser auf eine bestimmte Stimme konzentrieren wollen.

Lange zuhören, treffsicher sein

Ein weiteres Problem ist die Zeitverzögerung. Diese beträgt nur ein paar Sekunden, könnte aber trotzdem darauf hinauslaufen, dass man den Anfang eines Satzes verpasst, sagt Nima Mesgarani vom Neural Acoustic Processing Lab der Columbia University, einer der Autoren des Fachaufsatzes. Hier besteht ein Zielkonflikt zwischen Genauigkeit und dem Tempo beim Fokussieren auf einen bestimmten Sprecher, erklärt er.

Mit anderen Worten: Je länger das System zuhören kann, desto treffsicherer wird es. An diesem Thema müsse noch geforscht werden, sagt Mesgarani. Trotzdem könnten derartige Geräte in nur fünf Jahren auf den Markt kommen.

Die aktuelle Studie sollte nur die grundsätzliche Machbarkeit belegen, zeigt aber spannendes Potenzial, sagt Behtash Babadi vom “Department Electrical and Computer Engineering” der University of Maryland, der nicht an der Arbeit beteiligt war. „Der Träger eines solchen Geräts könnte innerhalb weniger Sekunden alles ausblenden außer die Person, die er hören möchte“, so Babadiu. „Diese Arbeit ist die erste, die eine echte Lösung für das Problem bringt, und ein Sprung nach vorn bei dem Versuch, sie zur Realität zu machen.“


Fazit Dr. Kupferberg

Das Tragen von Hörgeräten geht leider oft mit Vorurteilen einher, vor allem bei den Männern. Hörgeräteträger befürchten, dass sie als alt, nicht besonders intelligent oder psychisch krank abgestempelt werden. Obwohl moderne Hörgeräte klein, bequem und fast kaum zu sehen sind, sind ihre Fähigkeiten dennoch begrenzt. Denn trotz erheblicher technologischer Fortschritte in der Digitaltechnik können die winzigen technologischen Wunderwerke oft nur die sensorischen Signale verstärken, ermöglichen aber nicht das vollumfängliche Verstehen der Sprache. So hört man alles zwar lauter, aber nicht unbedingt deutlicher. Deswegen sollte die Anpassung von Hörgeräten immer von einer Gehörtherapie begleitet werden.


mp-3-player.jpg

Beitrag zitiert von Ärzteblatt /

Genf/New York – Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat zusammen mit der International Telecommunication Union (ITU) eine neue Norm für sogenannte persönliche Audio­geräte wie MP3-Player beschlossen. Hintergrund ist, dass weltweit knapp die Hälfte der Menschen zwischen zwölf und 35 Jahren aufgrund der anhaltenden und übermäßigen Exposition gegenüber lauten Geräuschen, einschließlich Musik, von Hörverlust bedroht seien. Die WHO spricht von rund 1,1 Milliarden „young people at risk“ weltweit.

„Da wir über das technologische Know-how zur Vorbeugung von Hörverlust verfügen, sollte es nicht so sein, dass so viele junge Menschen beim Musikhören weiterhin ihr Gehör schädigen“, sagt der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die neue WHO-ITU-Norm werde viel dazu beitragen, diese jungen Verbraucher besser zu schützen, betonte er.

Der neue Standard sieht Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen vor: Optionen zur Begrenzung der Lautstärke, einschließlich automatischer Lautstärkeregelung und elterlicher Lautstärkeregelung. Außerdem setzt die WHO auf Aufklärung: Information und Anleitung sollen die Benutzer über sichere Hörpraktiken informieren. Außerdem soll das Audiogerät ein individuelles Hörprofil erstellen, das auf den Hörgewohnheiten des Benutzers basiert und diesen darüber informiert, wie sicher oder wie gesundheits­gefährdend er gehört hat, und auf der Grundlage dieser Informationen Handlungs­anweisungen gibt.

Der Standard wurde im Rahmen der WHO-Initiative „Make Listening Safe” entwickelt. Experten der WHO und der ITU haben ihn in einem zweijährigen Prozess zusammen mit Experten aus Politik, Industrie, Verbrauchern und Zivilgesellschaft entwickelt. Die WHO empfiehlt Regierungen und Herstellern, den freiwilligen WHO-ITU-Standard zu übernehmen.

 


Dr. A. Kupferberg, Wissenschaftliche Leitung

Fazit Dr. Kupferberg:

Wenn man Musik bei mittlerer bis niedriger Lautstärke hört, ist ein dauerhafter oder schwerer Hörverlust weniger wahrscheinlich. Unten ist ein kurzes Beispiel für den Dezibelpegel im Vergleich zur Dauer des Musikhörens:

– 85 dB -> 8 Stunden können extremen Hörverlust verursachen
– 88 dB -> 4 Stunden können den gleichen Schaden verursachen
– 100-105 dB -> 15 Minuten ist die maximale Zeit, die Sie Ihre Ohren diesem Geräuschpegel aussetzen sollten.

Ein Hörverlust durch MP3-Player, Ipods und andere Abspielgeräte kann überwacht und verhindert werden, indem man sich der Intensität und sogar der Art und Weise, wie man Musik hört, bewusst ist. Durch die Begrenzung der Zeit, die Sie hohen Lautstärken ausgesetzt sind, machen Sie bereits zwei riesige Schritte in Richtung Hörschutz.

 

 


syringe-1884784_1280-1200x720.jpg

Beitrag zitiert von Healthcare-in-Europe /

Forscher erwecken Zellen im Innenohr zum Leben

Millionen Schwerhörige und Taube können hoffen, ihre Gehörfunktion ganz oder teilweise zurückzugewinnen. Forscher der Harvard University und der University of South California (USC) haben einen Weg gefunden, Zellen tief im Inneren des Ohres wiederzubeleben. Der entscheidende Fortschritt gegenüber früheren Versuchen dieser Art: Die Wissenschaftler können Medikamente, die zerstörte Nerven und Zellen wiederherstellen, zu der Stelle befördern, an der sie wirken sollen.

Tierversuche bereits erfolgreich

“Wir haben herausgefunden, wie wir das Medikament so applizieren können, dass es genau dort seine Heilwirkung entfaltet, an der es nötig ist”, sagt USC-Forscher Charles E. McKenna, der zu den Entwicklern der neuen Therapie gehört. “An der entscheidenden Stelle im Innenohr bildet sich ständig eine Flüssigkeit, die das Medikament hinwegschwemmt. Dieses Problem haben wir gelöst.” Die Anwendung an Menschen steht allerdings noch aus. Die bisherigen Versuche fanden im Labor mit Gewebeproben von Tieren in Petrischalen statt. Doch die Forscher sind zuversichtlich, dass ihre Technik auch in echten Ohren funktioniert, weil sich die Zellen und die eingesetzte Technik stark ähneln. Deshalb planen sie bereits die nächste Phase, in der schwerhörige Tiere behandelt werden sollen.

Die Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der Mittel gezielt in die Cochlea gebracht werden. Dort befinden sich Zellen, die Geräusche ans Gehirn übermitteln. Schwerhörigkeit beruht auf der totalen oder teilweisen Zerstörung dieser Zellen. Zudem werden Synapsen und Neuronen geschädigt, die sich auf dem Weg vom Ohr zum Gehirn befinden.

Wirksamer Mix aus zwei Präparaten

Das Medikament ist ein Gemisch aus zwei Wirkstoffen. Der erste heißt 7,8-Dihydroxyflavon, auch Vitamin P genannt. Das Mittel verhindert, dass Nervenzellen, die Bewegungen steuern, absterben. Das haben Versuche an der Ruhr-Universität Bochum ergeben. Das zweite Präparat aus der Gruppe der Bisphosphonate wird normalerweise bei Knochen- und Calcium-Stoffwechselkrankheiten verabreicht. Letzteres verhindert, dass Ersteres von den Flüssigkeiten im Innenohr hinweggeschwemmt wird. Noch sind die Forscher vorsichtig, um keine falschen Hoffnungen, vor allem bei Älteren, zu wecken. Immerhin leiden zwei Drittel der Amerikaner, die älter sind als 70, an Schwerhörigkeit oder Gehörverlust. “Wir sagen nicht, dass unser Präparat ein Heilmittel für Schwerhörigkeit ist”, erläutert McKenna. “Doch wir konnten zeigen, dass unsere Herangehensweise äußerst vielversprechend ist.”


Fazit Dr. Kupferberg:

Zwei Unternehmen arbeiten an der Entwicklung möglicher Medikament gegen Hörverlust. Auris Medical, ein Schweizer biopharmazeutisches Unternehmen, befindet sich in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Innenohrschwerhörigkeit und Tinnitus. Das 2008 gegründete Unternehmen Otonomy mit Sitz in San Diego hat eine medikamentöse Therapie entwickelt, um im Tiermodell Synapsenverbindungen und damit ein funktionales Gehör wiederherzustellen. Die Experten lehnte es ab, vorherzusagen, wie schnell eines oder mehrere Medikamente, die vorübergehend oder dauerhaft Innenohrschäden reparieren und den Hörverlust wiederherstellen könnten, in die klinische Erprobung am Menschen übergehen würden. Obwohl solche Medikamente noch mehrere Jahre von der kommerziellen Verfügbarkeit entfernt sind, rate ich zum Schutz vom Gehör durch das Tragen von Ohrstöpseln und frühzeitigen Gehörtests, sowie kognitiver Gehörtherapie bei den ersten Anzeichen von Problemen beim Sprachverständnis.